Eberhard Rothfuss (Hg.): Entwicklungskontraste in den Americas. Passau 2008 (Passauer Kontaktstudium Erdkunde 9). 210 S.

Es handelt sich um einen Sammelband mit 13 Beiträgen über anthropo- und physiographische Themen, die während der 9. Tagung "Passauer Kontaktstudium Erdkunde" am 09. und 10.10.2006 gehalten wurden mit dem Ziel, die "Entwicklungskontraste in den Americas" einem breiten Publikum von Gymnasial- und Realschullehrern und -lehrerinnen vorzustellen und anhand der präsentierten Beispiele unterrichtspraktisch zu vermitteln.

Dabei dominieren die anthropogeographischen Beiträge (8) deutlich gegenüber den physiographischen (4) und einem rein didaktischen über das "Geoaktiv-Lernprogramm Südamerika" (H. Purschke). Es ist dann aber etwas unverständlich, warum drei Aufsätze sich auf Kuba beziehen, was der Bedeutung dieses Landes im amerikanischen Kontext durchaus nicht entspricht. Sicherlich ist eine großregionale Ausgewogenheit schwierig zu realisieren, aber: Der gesamte andine Raum bleibt ebenso unberücksichtigt wie Zentralamerika, sieht man von dem zu empfehlenden Beitrag von T. Fickert u.a. ab über den Zerstörungsgrad und die Regeneration der Ökosysteme sieben Jahre nach dem Hurrikan Mitch auf der Karibikinsel Guanaja (Honduras).
Die angestrebte Zurückstellung der "Makroperspektive zugunsten einer Mikroperspektive" (S. 9) wird nur teilweise eingehalten. Für Südamerika steht den guten Überblicksbeiträgen von G. Rothfuss ("Soziale Ungleichheit in Brasilien") und D. Anhuf ("Der Amazonas-Regenwald im zukünftigen Treibhausklima ...") nur einer aus der "Mikroperspektive" gegenüber, der allerdings die "Stimmen aus der Favela" (V. Defner) beeindruckend widerspiegelt. Auch die USA-bezogenen Artikel sind eher überblicksartig angelegt mit Ausnahme des interessanten Versuchs von U. Gerhard, die "Dimension einer politischen Global City Washington, D.C." aufzuzeigen.
Letztlich wird bei diesem Band ein stringentes Konzept für die Herausstellung der Entwicklungskontraste vermisst, was jedoch nicht die einzelnen Beiträge beeinträchtigt, die in der Mehrzahl aus dem geographischen Lateinamerika-"cluster" an der Universität Passau stammen.
Autor: Günter Mertins

Quelle: Erdkunde, 63. Jahrgang, 2009, Heft 1, S. 93-94

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