Ivan T. Berend: Markt und Marktwirtschaft. Ökonomische Ordnungen und wirtschaftliche Entwicklung in Europa seit dem 18. Jahrhundert. Göttingen 2007. 238 S.

Verf. gliedert die Geschichte der europäischen Wirtschaftsordnungen in drei Teile: das Laisser-faire-System des 19. Jh., verschiedene Formen der staatlichen Intervention, neues globalisiertes Laisser-Faire. In der praktischen Durchführung nimmt das zweite Thema den weitaus größten Raum ein. Dabei unterscheidet Ivan T. Berend erneut dreifach: "Wirtschaftsdirigismus in autoritär-faschistischen Herrschaftssystemen" (Kap. 2.3), "Zentrale Planwirtschaft, ein Nicht-Marktsystem" (Kap. 2.4), "Mischwirtschaft und Wohlfahrtsstaat im Prozess der Integration Westeuropas zum ›Einheitlichen Markt‹ nach dem Zweiten Weltkrieg" (Kap. 2.5).

Während die Ausführungen zum Staatssozialismus und der westeuropäischen Nachkriegsordnung eher Bekanntes vertiefen, enthält das Kapitel über die autoritärfaschistischen Systeme Neues: weniger über Deutschland, Österreich und Italien, mehr aber über die iberische Halbinsel, den Balkan und Ungarn. Wie in der historisch-politischen Literatur stellt sich auch hier, in einer wirtschaftsgeschichtlichen Untersuchung, die Frage, ob Italien und Deutschland einerseits, die "peripheren" Länder anderseits als Varianten des gleichen Typus aufgefasst werden können. Berend beantwortet sie letztlich nicht. Ebenfalls nicht erklärt wird eine etwaige Ursache für die weitgehende zeitliche Koinzidenz von autoritär-faschistischen Systemen, zentraler Planwirtschaft und wohlfahrtsstaatlicher Mischwirtschaft. Das abschließende Kapitel über Grundlinien der Forschung fasst wiederum lediglich bisherige Diskussionen zusammen, sodass sich der wesentliche Ertrag des Buches - in Differenz zur Ankündigung im Titel - auf die allerdings gründliche Darlegung der dirigistischen Ordnungen in der Zwischenkriegsperiode des 20. Jahrhunderts beschränkt.  
Georg Fülberth

Quelle: Das Argument, 50. Jahrgang, 2008, S. 164

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