Alain Gresh, Philippe Rekacewicz: Atlas der Globalisierung. Die neuen Daten und Fakten zur Lage der Welt. Berlin 2006. 198 S.

Seit ein paar Jahren steht mit dem „Atlas der Globalisierung“ eine weitere laufend erscheinende Informationsquelle über weltweite Zusammenhänge und Entwicklungen von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik oder Umwelt zur Verfügung. Während die jährlich veröffentlichten Bände des „Fischer Weltalmanach“ (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt) und der „Globalen Trends“ (auch Fischer Taschenbuch Verlag) eher eine systematische Datendokumentation (sowohl global als auch der einzelnen Länder) mit Erklärungen liefern, wählt der Atlas – ähnlich wie der Weltentwicklungsbericht (Weltbank, Washington) – einen anderen Weg.

Jeder Teilband widmet sich aktuellen thematischen Schwerpunkten und ergänzt diese durch die Diskussion spezieller Entwicklungen in Großräumen. Der Jahrgang 2006 beginnt mit dem Schwerpunktthema Umwelt. Dabei wird ein weiter Bogen gespannt vom Klimawandel über Wasserknappheit oder erneuerbare Energien und Müll bis hin zur Gesundheit. Es folgen die eher üblichen Dokumentationen, hier aber jeweils thematisch zugespitzt, von Geopolitik und weltweiten Direktinvestitionen bzw. Finanzverflechtungen. In den Kapiteln 4 und 5 stehen dann regionale Aspekte im Vordergrund; Konfliktregionen (im Nahen und Mittleren Osten, Asien und Afrika) sowie die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen in Asien finden Berücksichtigung. Die einzelnen Abschnitte in diesen Themenfeldern werden überwiegend von kompetenten Journalisten bearbeitet, die ihren speziellen Kenntnisstand, aber auch ihre individuelle Sichtweise in die Erläuterungen einfließen lassen. Die Erläuterungen sind entsprechend journalistisch formuliert, um ein breites Publikum anzusprechen. Auch wenn nicht jeder Fachwissenschaftler mit jedem Detail vollständig übereinstimmen wird, liefern die Beiträge doch jeweils spannende Informations- und Diskussionsgrundlagen. Vor allem wird durch sie der Blick auch auf relevante Teilaspekte gelenkt, welche bei den üblichen Dokumentationen sonst unberücksichtigt bleiben. Die Konzeption der Bände orientiert sich auf eine ansprechende Gestaltung. Ein Teilthema wird jeweils auf einer Doppelseite behandelt, wobei eine Kombination aus textlichen Erläuterungen und in Karten und Abbildungen umgesetzten Daten erfolgt. Auf lange Tabellendokumentationen wird verzichtet, stattdessen findet der Leser www-Quellenangaben zur weiteren Vertiefung. Günstiger Preis, inhaltliche Vielfalt, graphische Umsetzung und Informationsfülle machen den Atlas zu einer leicht zugänglichen Quelle für alle mit dem Thema Globalisierung befassten Personen in Hochschule, Schule und Berufspraxis. Es lohnt sich, den Atlas als Nachschlagewerk zu beschaffen und in den Kapiteln zu stöbern.

Autor: Elmar Kulke

 

Quelle: Die Erde, 138. Jahrgang, 2007, Heft 1, S. 76

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