Günter Heinritz, Kurt E. Klein, Monika Popp: Geographische Handelsforschung. Berlin, Stuttgart 2003 (Studienbücher der Geographie). 257 S.

Konsum ist heute mehr als die Komplementärfunktion zu Versorgung und Verteilung. „Geography of Consumption“ nennt sich daher eine neue Richtung der Geographie, der es weniger um Standorte und Angebote als vielmehr um Nachfrage und Verhalten geht.

Macht dies also ein Lehrbuch zur Geographie des Einzelhandels bzw. der „geographischen Handelsforschung“ überflüssig? Man beginnt die Lektüre des neuen „Studienbuchs“ mit großer Erwartung und hofft auf Antworten – und wird enttäuscht. In geschraubter Sprache werden Fakten zusammengetragen und wiedergegeben, nichts davon ist wirklich neu. Die wirklichen Fragen der neuen Tendenzen in der Post-Suburbia, die Beliebigkeit der Standorte des e-commerce einerseits und virtueller Erlebniswelten andererseits werden nicht einmal angesprochen oder nur oberflächlich erwähnt. So bleibt die Darstellung konservativ, kompilatorisch, perspektivenarm. Handel als Verteilung und Versorgung. Das ist ein Konzept, das so heute nur noch teilweise greift. Die Autoren haben zweifellos Recht, wenn sie zu Beginn konstatieren, dass der Einzelhandel gute Berufschancen für Geographen bietet (Consulting, Lokalisierung, Logistik, Gestaltung etc.). In diesem Buch werden viele Grundlageninformationen geboten. Ob dieses Buch auch das Rüstzeug für die vielen anstehenden Fragen der Praxis bietet, muss jedoch dahin gestellt werden. Schade, die Geographie hätte sich wirksamer in die Diskussion um den Handel einbringen können.

Autor: Axel Borsdorf

 

Quelle: Die Erde, 135. Jahrgang, 2004, Heft 3-4, S. 315

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