Heinz Gustafsson: Namibia, Bremen und Deutschland: ein steiniger Weg zur Freundschaft. Delmenhorst, Berlin 2003. 704 S.

Seit mehr als 150 Jahren ist Bremen mit dem südwestlichen Afrika eng verbunden, war es doch der Bremer Kaufmann Lüderitz, durch dessen Landkäufe die Geschichte Südwestafrikas als deutsches Schutzgebiet und spätere Kolonie in diesem Raum Afrikas auf außergewöhnliche Weise begründet wurde.

Heinz Gustafsson ist ein Bremer Amateurforscher, der diese bremisch-namibische Verbindung ausführlich nachzeichnet. In großem Umfang präsentiert er reiches Quellenmaterial: Vertragstexte, Korrespondenz, Reden, Biographisches, Zeitungsartikel und Photos. Dies macht das Werk auch zu einem soliden Handbuch und einer Fundgrube für weitere Arbeiten, zumal es durch Orts-, Personen- (und sogar Schiffs-!) Register gut erschlossen ist. Sicherlich holt der Autor gelegentlich viel zu weit aus; so müssen in einem derartigen Werk die Biographien weitgehend bekannter Politiker nicht wiedergegeben werden. Auch steht eine gewisse Weitschweifigkeit im Detail, z.B. bei der Dokumentation von Staatsbesuchen, Redetexten etc., in starkem Gegensatz zur Tatsache, dass auf Zwischenfazite sowie zusammenfassende Darstellungen und Würdigungen verzichtet wird. Insgesamt aber überzeugt das Buch, insbesondere mit dem großen historischen Bogen von der Kolonialzeit über deren Erbe in der Zwischenkriegszeit bis zu den Diskussionen um die Aufarbeitung des Kolonialismus und die Afrikapolitik in der Bundesrepublik der letzten Jahrzehnte. Die bereits im Titel vorgestellte Verknüpfung "Bremen-Namibia" mag zunächst etwas skuril klingen; die Art und Weise, wie das Bundesland Bremen jedoch mit seiner kolonialen Vergangenheit umgeht und - vielfach durch Einzelpersonen in Bremen initiiert - frühzeitig freundschaftliche und hilfreiche Beziehungen zum nachkolonialen Namibia aufzubauen versucht hat, gibt dem Thema jedoch einen besonderen Sinn. Sehr interessant ist auch die Dokumentation (durch entsprechende Korrespondenz) der Auseinandersetzung um die Haltung zur SWAPO, bei der Bremen in den 70er Jahren eine Sonderstellung bzw. Vorreiterrolle in der Bundesrepublik einnahm. Die Darstellung der jüngsten Phase dieses Prozesses legt nahe, dass derartige Paten- und Partnerschaften zwischen Räumen dieser (regionalen) Größenordnung vielleicht in der Tat einen bedeutenderen Beitrag zur Verbesserung der Situation in der Dritten Welt darstellen könnten.

Autor: Christof Ellger

Quelle: Die Erde, 135. Jahrgang, 2004, Heft 3-4, S. 317-318

Kommentar schreiben