Georg August Wallin: Reisen in Arabien 1845-1848. Hg. von Uwe Pfullmann. Berlin 2004. 181 S.

Richard Francis Burton: Das Land Midian. Hg. und übersetzt von Uwe Pfullmann. Berlin 2004. 318 S.

Es ist wenig bekannt, dass große Teile der Arabischen Halbinsel noch bis ins späte 19.Jahrhundert "unentdeckt" geblieben sind, d.h. von Europäern noch nicht erkundet worden waren. Uwe Pfullmann verdanken wir schon zahlreiche Bücher, die die spannende Entdeckungsgeschichte dieser Region erhellen, u.a. ein im gleichen Verlag 2001 erschienenes "Entdeckerlexikon arabische Halbinsel". Mit den hier anzuzeigenden Büchern werden zwei dieser Entdecker ausführlicher gewürdigt.

Im Mittelpunkt stehen in beiden Fällen deren Reiseberichte. Da ist zunächst der weithin vergessene Wallin (1811-1852) mit Berichten von zwei Reisen durch Nordarabien (1845 und 1848). Die erste Reise führte ihn von Kairo über Ma'an im heutigen Südjordanien in den Dschof, durch die Nefud-Wüste nach Ha'il und über Mekka nach Dschidda; die zweite Reise war eine Durchquerung Nordwestarabiens vom Rotmeerhafen Muwailih über Tabuk nach Basra. Wallin war ein sprachbegabter, umfassend gebildeter Gelehrter, den alles interessierte, was ihm auf der Reise begegnete und wovon er hörte: Stammespolitik, Topographie, Botanik, Landwirtschaft, alte Inschriften, Lebensweise der ihn begleitenden Beduinen, archäologische Funde. Wie manche andere Reisende seiner Zeit gab er sich als Muslim aus, blieb aber stets bescheiden und zurückhaltend - sicher auch das ein Grund dafür, dass seine überaus materialreichen Berichte kaum bekannt geworden sind. Umso größer ist das Verdienst des Herausgebers, nicht nur diese Berichte erstmals in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen, sondern auch akribisch viele weitere Informationen über Wallin zusammenzutragen. Ganz das Gegenteil war Burton (1821-1890), eine schillernde Figur in jeder Hinsicht: In seinem unsteten, abenteuerlichen Leben war er Hindu, Katholik und Muslim, lernte alle paar Monate eine neue Sprache, reiste viel, schrieb 60 Bücher, widmete sich magischen Geheimkünsten. Der polygam lebende Exzentriker erforschte Ostindien, das Innere Arabiens, Ostafrika und Island. Spektakulär waren auch immer die mit biographischen Anmerkungen seines ausschweifenden Lebensstils angereicherten Reiseberichte, die vom Bildungsbürgertum des viktorianischen Zeitalters mit einer Mischung aus Neugier und intellektuell verbrämtem Voyeurismus verschlungen wurden. - 1877/78 kam er zum zweiten Mal nach Midian, in den Nordwesten des heutigen Saudi-Arabien. Er hatte den ägyptischen Khedive überzeugen können, eine für damalige Verhältnisse geradezu üppig ausgestattete Expedition zu finanzieren, um nach Gold zu suchen. Das fand er zwar nicht, aber dafür viele archäologische Stätten. Uwe Pfullmann hat den sehr detailreichen Bericht von dieser Reise übersetzt und belegt damit, dass Burton auch ein hervorragender Beobachter, ernsthafter Wissenschaftler und begabter Schreiber war, der die regionale Geographie von Midian ausgezeichnet dargestellt hat. Die beiden sehr einfühlsamen und detailgetreuen Übersetzungen geben sehr schön den Schreibstil der Gelehrtenwelt des 19. Jahrhunderts wieder, sind mit zahlreichen Anmerkungen versehen und stellen eine wahre Fundgrube zur Geographie Arabiens in jener Zeit dar, fordern jedoch vom Leser viel Geduld. Fast scheint es so, als habe sich Uwe Pfullmann auf Grund seiner langjährigen intensiven Beschäftigung mit den Reisenden des 19. Jahrhunderts schon selbst deren trocken-akademischen Stil zu eigen gemacht.

Autor: Horst Kopp

Quelle: Die Erde, 136. Jahrgang, 2005, Heft 1, S. 37-38

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