Luisa Vogt: Regionalentwicklung peripherer Räume mit Tourismus? Eine akteurs- und handlungsorientierte Untersuchung am Beispiel des Trekkingprojekts Grande Traversata delle Alpi. Erlangen (Erlanger Geographische Arbeiten, Sonderband 38) 2009. 412 S.

Peripheren – oftmals ländlich geprägten – Räumen, in denen die Dynamik anderer ökonomischer Bereiche nur gering ausgeprägt ist, durch touristische Erschließung für den Tourismus Impulse zu vermitteln ist ein oftmals postuliertes und in unterschiedlichsten räumlichen Kontexten von Industrie- und sog. Entwicklungsländern angewandtes Instrument der Regionalentwicklung.

Die als Dissertationsschrift am Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg entstandene Arbeit von Frau Vogt unternimmt – unter der Betreuung von Prof. Bätzing – am konkreten Fallbeispiel aus den italienischen Alpen den Versuch einer Ex-Post-Evaluierung der Wirksamkeit. Dabei wird ein klarer akteurszentrierter Fokus angewandt, der versucht, die Handlungsweisen der unterschiedlichen Akteursgruppen zu analysieren. Die Arbeit zeichnet sich durch eine breite Aufbereitung der theoretisch-konzeptionellen Grundlagen aus. Die Themenfelder räumliche Disparitäten und endogene Regionalentwicklung werden ebenso behandelt wie die Wirkmechanismen von touristischer Erschließung in den Zielgebieten oder Grundlagen des Destinationsmanagements und der Tourismuspolitik. Hier wird eine lesenswerte, fundierte und kompakte Einführung in zentrale Themenfelder der Regionalentwicklung und Tourismusplanung vorgelegt. Gleichzeitig werden die Grundprinzipien eines regionalen akteurszentrierten Wechselspiels der  unterschiedlichen involvierten Gruppen und Organisationen konzeptionell stringent eingeführt. Die empirischen Befunde, bei denen die einzelnen Akteursgruppen separat behandelt werden, sind für sich genommen plausibel und nachvollziehbar. Dabei wird deutlich, dass – und auch das ist für periphere Räume nicht ungewöhnlich – die einzelnen Akteure von der Regionalplanung über die touristischen Leistungsträger vor Ort bis hin zu Agenturen relativ isoliert agieren, so dass ein amorphes Patchwork von Angebotselementen entsteht, dessen Markteffizienz deutlich suboptimal bleibt. Dabei wird implizit auch deutlich, dass aufgrund des nur gering ausgeprägten Commitments zur Kooperation wichtige Effizienzparameter für die Marktteilnahme insuffizient bleiben. Dies gilt für eine klare zielgruppenspezifische Angebotsgestaltung ebenso wie für eine Dachmarkenstrategie zur Positionierung des Produkts. Damit bleiben die ermittelten regionalökonomischen Effekte in überschaubaren Dimensionen. Letztendlich wird damit dann auch das Ziel der Regionalentwicklung im untersuchten Fallbeispiel nicht erreicht. Allerdings wäre ggf. wünschenswert gewesen, die Analyse nicht prioritär auf die einzelnen Akteursgruppen zu richten, sondern gerade ihr Wechselspiel noch intensiver zu thematisieren, um darauf aufbauend die Constraints zu identifizieren. Auf dieser Grundlage wäre es dann möglich gewesen, Ansatzpunkte und Handlungsempfehlungen für eine Optimierung noch etwas deutlicher und konzeptionell stringenter zu formulieren, bzw. auch Reflexionen über strukturelle Defizite und Wirkmechanismen in peripheren Räumen konzeptionell weiterzuentwickeln. – Insgesamt wird mit dem Band eine lesenswerte Einführung in Grundlagen der regionalpolitischen Aspekte des Destinationsmanagements vorgelegt. Gleichwohl bleibt die Publikation stark der Analyse verhaftet und gibt nur partiell Hinweise für künftige Optimierungsstrategien.
Andreas Kagermeier

Quelle: Die Erde, 142. Jahrgang, 2011, Heft 3, S. 234

 

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