Hans Gebhardt, Bernd Jürgen Warneken (Hg.): Stadt - Land - Frau. Interdisziplinäre Genderforschung in Kulturwissenschaft und Geographie. Heidelberg 2003 (Heidelberger Geographische Arbeiten 117). 304 S.

In Anbetracht des geringen Angebotes an Publikationen über Geschlechterforschung in der Geographie fällt Interessierten sofort dieser Band der Heidelberger Geographischen Schriften ins Auge. Das Buch ist ein Sammelband mit Beiträgen von neun Wissenschaftler-Innen, die die Ergebnisse ihrer Arbeiten im Rahmen von zwei Forschungsprojekten zur interdisziplinären Frauenforschung in empirischen Kulturwissenschaften und in Kulturgeographie vorstellen.

Damit sind auch schon die Stärken und Schwächen des Bandes angesprochen: Natürlich ist es reizvoll, die Basiskonzepte, theoretischen Zugänge, Leitfragen und methodischen Zugriffe eines solchen disziplinenübergreifenden Projektes kennenzulernen, wie dies im ersten Teil vorgestellt wird. Ebenso spannend sind die empirischen Arbeiten und ihre Ergebnisse. Sie werden in Teil II "Unterwegs in der Stadt" und Teil III "Frauenleben auf dem Land" präsentiert. Im Hinblick auf die Stadt werden Mobilität und Verkehr,Nutzungspraktiken, Angst und Aneignung, Orientierung (im Geschlechtervergleich) und Freizeiträume in der Stadt thematisiert. In Bezug auf das Land stehen Aktionsräume, soziale Netzwerke, Berufswahl, Arbeitsmarktsituationen und Berufsbiographien im Vordergrund. Alle empirischen Arbeiten sind methodisch korrekt gemacht, nachvollziehbar und ausführlich dokumentiert und flott geschrieben. Immer wird versucht, sowohl quantitative wie qualitative Methoden einzusetzen und die Breite der Daten auszuschöpfen. Weniger befriedigend ist, dass es als Projektbericht natürlich nicht in die theoretische Debatte eingreift, die zentralen Begriffe "Frau", "Stadt" und "Land" nicht diskutiert und theoretisch abstützt. Zudem erscheinen die einzelnen Themen der Fallstudien sehr beliebig ausgewählt. Der Band ist ein sorgfältig gemachter, hervorragend dokumentierter Projektbericht, in dem mehrere junge WissenschaftlerInnen ihre Arbeiten der Öffentlichkeit präsentieren können. Über grundsätzliche Fragen der interdisziplinären Genderforschung in Kulturwissenschaft und Geographie erfährt man wenig.

Autorin: Doris Wastl-Walter

Quelle: Die Erde, 136. Jahrgang, 2005, Heft 3, S. 310

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