Frauke Gränitz, Luise Grundmann: Das Mittelrheinische Becken. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Andernach, Bendorf, Koblenz, Mayen, Mendig, Münstermaifeld und Neuwied. Köln, Weimar, Wien 2003. 345 S.

Die Buchreihe "Werte der deutschen Heimat" erschien seit 1957 in der DDR. Der Schwerpunkt der Darstellungen lag im Süden, vor allem in Sachsen und dort wiederum auf einem breiten Streifen zwischen Weißer Elster (im Erzgebirgsteil) und oberer Neiße. Später kamen dann Gebiete in Thüringen und Sachsen-Anhalt, einzelne auch in Brandenburg und eines in Mecklenburg, dazu.

Nach der Wende erfuhren, unter neuen Verlagsverhältnissen, einzelne dieser Bände komplette Neubearbeitungen oder es erschienen Bände über völlig neu ausgewählte Gebiete. Mit dem Band "Mittelrheinisches Becken" wird nun der Sprung in die alten Bundesländer gewagt und es ist zu hoffen, dass diese hervorragenden Dokumentationen auch andere attraktive Räume abdecken werden. Der aktuelle Mangel an landeskundlichen Dokumentationen ist unbestritten, zumal die klassischen Kreisbeschreibungen - die ohnehin nie komplett waren - schon lange nicht mehr erscheinen. Der rasche Kulturlandschaftswandel, der vor allem nach 1970/1980 in Deutschland eintrat (gedacht ist z.B. an die fortschreitende Zersiedlung der Landschaft, aber auch das Herausbilden der "Zwischenstädte"), erzwingt Dokumentation. Sie bildet Grundlagenmaterial für Planung, Politik, Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz, aber auch für den Unterricht auf allen Schulstufen bis hin zu den Hochschulen. In Zeiten mangelnden historischen Bewusstseins, zugleich verbunden mit einer Aufwertung des Regional- und Heimatgedankens, erfüllen solche Dokumentationen vielfältige Zwecke. Wegen der detaillierten, faktenreichen Darstellungen sind sie Quellenmaterial im besten Sinne des Wortes. Im Vorwort heißt es zum Inhalt, dass "mit dem Mittelrheinischen Becken erstmals eine größere geowissenschaftlich definierte Raumeinheit bearbeitet wurde, die mit einer hohen Dichte von Naturpunkten, Gemeinden, Verbandsgemeinden und Städten, darunter das Oberzentrum Koblenz ausgestattet ist." - Die Gliederung entspricht den übrigen Bänden (siehe Rezension der Bände 66 und 67 in dieser Zeitschrift): Ein "Landeskundlicher Überblick" setzt sich aus "Landesnatur", "Historischer Entwicklung", "Aktueller Raumstruktur" und "Wirtschaft und Verkehr" zusammen, dem kurze Kapitel zu Umweltproblemen, Kulturlandschaftspflege, Bau- und Kunstdenkmalen, Ländliche Volkskultur und Mundart folgen. All dies macht etwa ein Viertel des Gesamtumfanges aus. Es schließen sich "Einzeldarstellungen" (S. 79-271) - siehe dazu die Rezension der Bände 66 und 67 - an, auf die ein Literaturverzeichnis und ein Anhang (S. 297-345) folgen, der weiteres Material (meist in Tabellen) enthält. Der Band mit dem Raum "Mittelrheinisches Becken" ist erstmals in der Reihe ein "räumlich größerer Gebietsausschnitt". Das kann äußerlich an der farbigen Kartenbeilage 1:100.000 erkannt werden, die großformatiger als in den Bänden 66 und 67 ist. Die Karte erlaubt wegen des größeren Gebietsausschnittes auch eine größerräumige Einordnung. Das sollte auch die Tendenz künftiger Bände sein, von der kleinerräumigen Struktur abzugehen, die vor allem die Bände aus der DDRZeit prägte. An sich lässt der Band an Dichte und Genauigkeit der Information nichts zu wünschen übrig. Seine hervorragende Ausstattung ist ein ästhetischer Genuss. Zur Nutzung der Bände kann auch hier gesagt werden, dass das Buch sicherlich nicht nur dem Praktiker und dem landeskundlichen Laien dient, sondern dass es sich auch als Hintergrundmaterial für Schulunterricht und Exkursionen eignet. Für letztere liegen bereits Vorschläge vor, aber man kann sich auch selber welche zusammenstellen, wenn man auf die "Einzeldarstellungen" zurückgreift. Deren Lokalisierung ist über die farbige Übersichtskarte zu erschließen, die zugleich "Suchpunktkarte" ist. Man muss den herausgebenden Institutionen, dem Verlag und natürlich auch dem Autorenteam dankbar sein, diesen schönen und zugleich preiswerten Band erstellt zu haben, dem eine breite Leserschaft zu wünschen ist.

Autor: Hartmut Leser

Quelle: Die Erde, 136. Jahrgang, 2005, Heft 3, S. 311

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