Thomas Brühne, Stefan Harnischmacher (Hg.): Koblenz und sein Umland. Eine Auswahl geographischer Exkursionen. - Bonn 2011. 144 S.

Die Bundesgartenschau war der Impuls für einen Exkursionsführer über die Region an Rhein und Mosel, wie die beiden Herausgeber im Vorwort schreiben. So ist es denn auch konsequent, dass sich zwei Exkursionen mit der Bundesgartenschau befassen, die 2011 in Koblenz stattfand. Vor allem drei Areale wurden für die Gartenschau umgestaltet: das Umfeld des Kurfürstlichen Schlosses in der Innenstadt, das Deutsche Eck an der Mündung der Mosel in den Rhein und die Festung Ehrenbreitstein auf der rechten Rheinseite.

Während in dem Beitrag von Joana Müller die städtebaulichen Effekte im Mittelpunkt stehen, untersuchen Petra Sauerborn und Michael Klein die Koblenzer Innenstadt und damit auch einige Gartenschauprojekte unter stadtökologischen Gesichtspunkten. Den Auftakt zu dem Band bildet ein Beitrag von Günter Thieme und Hans Dieter Laux zur Stadt- und Bevölkerungsentwicklung von Koblenz. Darin machen sie deutlich, warum sich die Stadt im 19. Jahrhundert nicht zu einer Industrie-, sondern zu einer Verwaltungs- und Garnisonsstadt entwickelte. Die daran anschließenden 13 Exkursionen führen durch das Koblenzer Stadtgebiet, das Mittelrheinische Becken, das Mittelrhein-, das Moselund das Ahrtal sowie die Eifel. Dabei umfasst der Band mit sieben anthropo- und sechs physisch-geographisch ausgerichteten Exkursionen ein breites Spektrum, zu dem stadtgeographische Themen ebenso gehören wie Beiträge zum Tourismus, zur Biogeographie und zur Geomorphologie. Während sich die meisten Exkursionen vor allem an Geographen richten, dürfte der Beitrag von Michael Tempel über die Weinlagen in Koblenz auch für ein breiteres Publikum interessant sein. Mit einer Ausnahme befassen sich alle Exkursionen mit dem nördlichen Rheinland-Pfalz. Nur die von Thomas Brühne beschriebene Exkursion zum Wasserkraftwerk in Heimbach führt ins benachbarte Nordrhein- Westfalen. Die Beiträge in dem handlichen Band sind sehr kurz, so dass sich der Leser rasch einen Überblick über das Exkursionsgebiet verschaffen kann. Hier helfen ihm vor allem die Abbildungen, eine Vorstellung von der dargestellten Region zu entwickeln. Dies gilt besonders für die Photos, in denen Stefan Harnischmacher die Haupt-, Mittel- und Niederterrasse des Rheins kennzeichnet. Hilfreich sind auch die topographischen Karten (freilich meist ohne Angabe des Maßstabs) sowie die Graphiken und Tabellen. Dass keine der Karten die Exkursionsroute enthält, ist vertretbar. Bei der Fahrradexkursion von Thorsten Korn, die auf früheren Bahnstrecken durch das Maifeld-Pellenzer Hügelland führt, wäre dies jedoch sehr hilfreich. Ebenso hätten einzelne historische Karten, etwa von Koblenz im späten 19. Jahrhundert im Beitrag von Günter Thieme und Hans Dieter Laux, und eine Übersichtskarte mit den Hauptschauplätzen der Bundesgartenschau sehr zum Verständnis des Lesers beitragen können. Mit dem Nürburgring und der Hochmoselquerung hat die Region in den vergangenen Jahren auch bundesweit Schlagzeilen gemacht. Der neu geschaffene Rheinsteig hat sich rasch zu einem der erfolgreichsten Wanderwege Deutschlands entwickelt und den Mittelrhein aus dem touristischen Dornröschenschlaf erweckt. Diese Themen greift der Exkursionsführer leider nicht auf. Er bietet gleichwohl einen guten Überblick über eine Region, die ICEReisende auf dem Weg von Frankfurt nach Köln achtlos "links liegen lassen".
Heiner Schote (Hamburg)   

Quelle: Die Erde, 143. Jahrgang, 2012, Heft 1-2, S. 130-131

 

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