Jürgen Friedrichs (Hg.): Die Städte in den 90er Jahren. Demographische, ökonomische und soziale Entwicklungen. Opladen/Wiesbaden 1997. 298 S.

Zwölf Jahre nach dem auch in der Geographie positiv aufgenommenen Sammelband "Die Städte in den 80er Jahren" (Opladen 1985) legt der Kölner Stadtsoziologe J. FRIEDRICHS nunmehr einen neuen Sammelband zur Situation und aktuellen Entwicklung der Städte in Deutschland vor. Die Autoren, Soziologen, Geographen und Ökonomen, behandeln ein breites Stektrum  sozio-ökonomischer Themen. Dieses reicht von der Bevölkerungsentwicklung über Ausländer-Integration, städtische Finanzen, Armut, sozialräumlichen Wandel bis zu Fragen des Wohnungsmarktes und des Stadtverkehrs. Die räumliche Dimension ist in sehr unterschiedlichem Maße berücksichtigt. Teils ist der Blick auf die innerstädtische Mikroebene, teils auf das Städtesystem als Ganzes gerichtet; teils wird aber auch von räumlichen Differenzierungen fast ganz abstrahiert (so leider bei den Aufsätzen zum Wohnungsmarkt und zum Stadtverkehr).
Im Rahmen dieser Rezension können nicht sämtliche Beiträge einzeln gewürdigt, sondern nur einige wenige hervorgehoben werden. Empirisch besonders gehaltvoll sind die Darstellungen der großstädtischen Bevölkerungsentwicklung (P. GANS) sowie der regionalen siedlungsstrukturellen Trends (H.-P. GATZWEILER und E. IRMEN). Vom Herausgeber selbst stammt ein (methodisch nur partiell überzeugender) Beitrag zur clusteranalytischen Typisierung der deutschen Großstädte 1970 und 1990. Positiv hervorzuheben sind hingegen die Aufsätze über die Zuwanderung und Integration von Ausländern (von W. STRUBELT und K. VEITH), über Armut und sozialräumliche Ausgrenzung (J. DANGSCHAT) sowie über
sozialräumliche Wandlungsprozesse (R. KECSKES).
Die thematische Kohärenz des Bandes ist in Anbetracht der fachlichen Heterogenität der Autoren beachtlich, wenngleich man sich bei manchen Beiträgen eine noch stärkere Fokussierung auf die sozialräumliche Perspektive gewünscht hätte. Schwerer wiegt die Ausklammerung so wichtiger Themenstellungen wie Industrie, Dienstleistungen, Beschäftigung, Kultur, Planung, Politik usw. Auch die Qualität vieler graphischer Darstellungen läßt Wünsche offen. Aber dennoch: Wer einen Überblick über die aktuelle Situation und Entwicklung der deutschen (Groß-)Städte aus der Perspektive der interdisziplinären sozio-ökonomischen Stadtforschung sucht, ist mit dem Sammelband durchaus gut bedient.
Autor: Hans H. Blotevogel

Quelle: Erdkunde, 54. Jahrgang, 2000, Heft 2, S. 185

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