Alice H. De Boer: Housing and care for older people: a macro-micro perspective. Utrecht 1999 (Nederlandse Geografische Studies 253). 198 S.

In Europa wird die demographische Entwicklung durch eine zunehmende Alterung der Bevölkerung bestimmt. Der Rückgang der Geburtenrate und eine gestiegene Lebenserwartung führen zu einem wachsenden Anteil an Senioren mit Bedarf an altengerechten Wohn- und Betreuungsangeboten. Dieser muss aus einem in seiner Leistungsfähigkeit begrenzten Renten- und Sozialversicherungssystem sowie rückläufigen steuerfinanzierten Leistungen befriedigt werden. In vielen Ländern hat diese Entwicklung durch Reorganisation, Dezentralisierung und Privatisierung zu einer Veränderung bei Zugangskriterien und regionalem Angebot von Diensten für ältere Menschen geführt.
DE BOER analysiert diese Prozesse am Beispiel der Niederlande und Großbritanniens "to explain the (mis)matches in health, housing, and care at the macro-level, by analysing the behavioural responses as part of the strategies of older people at the micro-level to shifts in provision of housing and care (S. 166)". Sie zeigt dazu die Bandbreite individueller Entscheidungsstrategien bei der Gestaltung des Lebens im Alter auf, die bei der Konzeption spezifischer Wohn- und Betreuungsangebote häufig nur unzureichend berücksichtigt werde und so Über- bzw. Unterversorgung zur Folge habe.
Die Autorin identifiziert hierfür zwei Hauptursachen. Die restriktive Vergabepraxis führe bei knappem Angebot an altengerechten Wohnungen dazu, dass der Wunsch nach einem vorausschauenden Wechsel in solche Wohnungen wenig erfolgversprechend sei. Eine zweite Quelle von Unterversorgung entsteht nach DE BOER durch eine unzureichende Substitution rückläufiger öffentlicher durch kommerzielle Dienste bzw. familiäre Hilfe. Als Resultat ihrer Untersuchung könne das Entstehen von Unterversorgung am besten durch eine frühzeitige Unterstützung altengerechten Wohnens vermindert werden.
Der Verdienst der Arbeit liegt in der systematischen Darstellung der komplexen wechselseitigen Abhängigkeit zwischen individuellen Wünschen, den durch Wohn- und Betreuungsangeboten vorgegebenen Handlungsoptionen und den auf dieser Grundlage getroffenen Entscheidungen für das Leben im Alter.    
Autor: Frank Swiaczny

Quelle: Erdkunde, 55. Jahrgang, 2001, Heft 2, S. 203-204

Kommentar schreiben