Martina Fuchs: Erwerbsbedingungen und -strategien der Bevölkerung in Puebla (Mexiko). Wirkungen der Krise 1994/1995 unter Berücksichtigung von Globalisierung und nationaler Regulation. Düsseldorf 1999 (Düsseldorfer Geographische Schriften, Heft 38) 204 S.

Die vorliegende Habilitationsschrift beschäftigt sich mit den vielschichtigen Folgen der Finanzkrise Mexikos 1994/95 für die Beschäftigten in unterschiedlichen Unternehmenstypen. Dabei reicht die Spanne von den Beschäftigten in ausländischen Unternehmen mit der Produktionsausrichtung vorwiegend für den Export (unter besonderer Berücksichtigung von Volkswagen de México) bis zu den Beschäftigten in überlebensökonomisch wichtigen Kleinbetrieben, d. h. kleinstgewerblich Selbständigen im informellen Sektor, wobei der Übergang zu Gelegenheitsarbeitern/innen fließend ist.
Puebla, die viertgrößte Agglomeration Mexikos, erfuhr seit den 50er, dann vor allem seit den 70er Jahren ein erhebliches Bevölkerungswachstum, wozu die Gründung von Volkswagen de México ab Mitte der 60er Jahre als Attraktionspol in erheblichem Umfang beigetragen hat. Die empirischen Ergebnisse dieser Untersuchung basieren überwiegend auf fast 2000, sehr umfangreichen Haushaltsinterviews (= 0,6% der Haushalte Pueblas) in geschickt ausgewählten, sozialgeographisch unterschiedlichen, aber jeweils repräsentativen Erhebungsbezirken. Hinzu kommt eine geschichtet angelegte Betriebsbefragung, ergänzt durch qualitative Befragungen, die wertvolle Hinweise zur Auswertung der quantitativen Ergebnisse lieferten.
Darstellung und Interpretation der Ergebnisse erfolgen problemorientiert vor dem Hintergrund des zuvor entwickelten theoretisch-konzeptionellen Rahmens. Verfasserin führt für die lokale und regionale (?) Ebene den Begriff der Mikroregulierung ein und weist überzeugend nach, daß entsprechende Strategien eine wichtige Rolle bei der Überlebenssicherung von (Klein-)Betrieben und Haushalten spielen. Obwohl theoretisch nicht stringent-überzeugend abgeleitet, erweist sich der Mikroregulierungs-Ansatz als ausgesprochen praktikabel für die Analyse der Haushaltsökonomie. Ob die "Positionierung von Mexiko im Weltsystem" als Semiperipherie in diesem Rahmen notwendig und überhaupt sinnvoll ist, kann allerdings bezweifelt werden.
Die konzeptionell sehr konsequent durchgeführte Arbeit stellt sowohl methodisch als auch inhaltlich eine Bereicherung dar, vor allem für den Nachweis des Zusammenhangs zwischen makroökonomischen Vorgängen (Finanzkrise) und den mikroökonomischen Prozessen auf der Haushaltsebene. Der Verfasserin kann attestiert werden, daß - wie sie im Vorwort selbstironisch hofft - ihre Arbeit nicht "für die Katz" ist.
Autor: Günter Mertins

Quelle: Erdkunde, 55. Jahrgang, 2001, Heft 2, S. 207

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