Cecilian Luiza Löwen: Der Zusammenhang von Stadtentwicklung und zentralörtlicher Verflechtung der brasilianischen Stadt Ponta Grossa/Paraná. Eine Untersuchung zur Rolle von Mittelstädten in der Nähe einer Metropolitanregion. Tübingen 1998 (Tübinger Geographische Studien, Heft 120 / Tübinger Beiträge zur Geographischen Lateinamerika-Forschung, Heft 16). 325 S.

Die von der Brasilianerin CECILIAN LÖWEN in ihrer Dissertation untersuchte Stadt Ponta Grossa zählt zu den zahlreichen kleineren brasilianischen Großstädten, die, obwohl sie für einen großen Teil der brasilianischen Bevölkerung die alltägliche Lebensumwelt bilden, in der Wissenschaft nur äußerst selten Aufmerksamkeit erfahren. Doch gibt es unter stadtgeographischen Gesichtspunkten in diesen auf den ersten Blick unspektakulären und meist unästhetischen Siedlungen ("Stadt ohne Stil und ohne eigenes Gesicht"; S. 198) einiges zu entdecken. LÖWEN konzentriert sich dabei weniger auf die Stadtentwicklung Ponta Grossas auf mikrogeographischer Ebene; ihr Fokus richtet sich auf die funktionale Entwicklung der Stadt unter den Bedingungen der zentralörtlichen Struktur in der Region und speziell unter dem Einfluss von Curitiba, das seit mehreren Dekaden zu den am schnellsten wachsenden Metropolen Lateinamerikas zählt. Die Untersuchung beginnt mit einer Einführung zu den "theoretisch-methodologischen" Grundlagen der Zentralen Orte nach Christaller sowie einer für den interessierten deutschen Leser sehr ergiebigen Darstellung der brasilianischen Zentralitätsforschung und der Nationalen Entwicklungspläne. Im zweiten Teil schließt sich eine Beschreibung der Siedlungsgeschichte und der wirtschaftlichen Erschließung Paranás
sowie des Städtesystems in diesem Bundesstaat an, gefolgt von einer Analyse der regionalen Entwicklungsstrategien und -programme der vergangenen Dekaden, jeweils unter besonderer Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf die untersuchte Stadt. In ihrem Hauptteil (S. 163-280), dem dritten Block, steht schließlich der Wandel Ponta Grossas im historischen und raumentwicklungspolitischen Kontext der Region im Mittelpunkt. Dazu wird u.a. die Frage nach den Verflechtungen der Stadt mit der Region anhand verschiedener, von öffentlichen Institutionen erhobenen Indikatoren der gebundenen und freien Zentralität untersucht.
Den nicht so sehr an den regionalspezifischen Bedingungen interessierten Lesern sei zunächst die gelungene ausführliche Zusammenfassung empfohlen, in der die Abhängigkeit der Stadtentwicklung von regionalwirtschaftlichen Faktoren, nationalen und bundesstaatlichen Raumentwicklungsstrategien sowie stadtplanerischer Eigeninitiative in den einzelnen Entwicklungsphasen erläutert wird. Insgesamt wird die Arbeit ihrem selbst gesteckten Ziel, eine "Stadtmonographie" (S. 80) bzw. Fallstudie unter dem Gesichtspunkt der Beziehungen zwischen interner Stadtentwicklung und zentralörtlicher Verflechtung zu erstellen, gerecht. Vergleiche mit anderen, auch brasilianischen Städten und Regionen zu ziehen sowie Verallgemeinerungen in Bezug auf Theorien und Strategien regionaler Entwicklung zu erarbeiten, bleibt nachfolgenden Studien überlassen.    
Autor: Rainer Wehrhahn

Quelle: Erdkunde, 55. Jahrgang, 2001, Heft 3, S. 306-307

Kommentar schreiben