Ton van Rietbergen: The internationalization of European insurance groups. Utrecht 1999 (Nederlandse Geografische Studies 250). 196 S.

Die Internationalisierung der Dienstleistungsmärkte ist eines der spannendsten und aktuellsten Themen der Wirtschaftsgeographie und dennoch bisher nur wenig untersucht. Einen bemerkenswerten Beitrag liefert jetzt TON VAN RIETBERGEN, der in seiner Utrechter Dissertation die Internationalisierung der großen europäischen Versicherungsunternehmen theoretisch fundiert und empirisch gut dokumentiert untersucht.
Die Arbeit beginnt mit einem guten, kompakten Überblick zum Stand der Literatur über die Internationalisierung der Dienstleistungen und einer allgemeinen Charakterisierung des Versicherungssektors. Das erste empirische Kapitel behandelt dann aus makro-ökonomischer Sicht die Struktur, Entwicklung und Internationalisierung der nationalen Versicherungsmärkte Europas. Anschließend wechselt die Perspektive zur Ebene der Unternehmen, und die historische Entwicklung und die aktuelle Ausbildung transnationaler Netzwerke der Versicherungsunternehmen werden analysiert. Das dritte empirische Kapitel präsentiert die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von 283 Unternehmen über die Einschätzung der Marktentwicklung und der Unternehmensstrategien. In dem abschließenden Kapitel versucht der Autor, die eingangs gestellten zentralen Forschungsfragen im Licht der empirischen Ergebnisse zu beantworten.
Die wichtigsten Befunde: Trotz fortschreitender Internationalisierung spielt die Heimatbasis der Unternehmen eine wesentliche Rolle und erklärt zu einem guten Teil die Frage, weshalb einige Länder (UK, NL, CH) als Sitz internatio-
nal tätiger Versicherungsunternehmen bedeutender sind als andere. Die räumliche Expansion der Unternehmen hängt im Wesentlichen von den unterschiedlichen Unternehmensstrategien ab (z. B. Konzentration auf das Versicherungs-Kerngeschäft versus Allfinanz-Konzept), ferner von der Organisation der Vertriebskanäle. Als ein allgemeines Ergebnis stellt VAN RIETBERGEN heraus, dass der europäische Wirtschaftsraum für das Versicherungsgewerbe heute zwar theoretisch ein Binnenmarkt ohne interne Grenzen ist, dass jedoch die nationalen Märkte für die Unternehmen aufgrund institutioneller und kultureller Unterschiede immer noch bedeutende Determinanten für die Expansionsstrategien sind. Von einer völligen Integration des europäischen Marktes kann im Versicherungswesen noch längst keine Rede sein.
Autor: Hans H. Blotevogel

Quelle: Erdkunde, 55. Jahrgang, 2001, Heft 3, S. 307-308

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