Karl Eckart, Oliver Neuhoff u. Erhard Neuhoff (Hg.): Das Ruhrgebiet. Geographische Exkursionen. Gotha 2000 (Perthes Exkursionsführer). 216 S.

Der vorliegende Band versammelt 19 Exkursionen, die während des 27. Deutschen Schulgeographentags in Duisburg (Okt. 2000) durchgeführt wurden.
Zu Beginn des Buches wird in kurzen Artikeln das Ruhrgebiet im "dynamischen", "ökonomischen", "ökologischen" usw. "Wandlungsprozeß" vorgestellt, worunter im wesentlich ein nach dem länderkundlichen Schema gegliederter regionaler Überblick zu verstehen ist, der den herkömmlichen Themenkanon in sehr übersichtlicher und auch reichhaltig illustrierter Form abarbeitet. Diese überwiegend recht gelungene Mischung aus Text, Karten, Abbildungen und Fotografien (Unzulänglichkeiten wie etwa eine Karte über den kommunalen Ausländeranteil im Ruhrgebiet, die bei niedrigen Quoten eine freundliche hellblaue oder -grüne Signatur zeigt, um bei höheren Anteile in immer dunklere und intensivere Rottöne überzugehen, sind eine seltene, aber dennoch erwähnenswerte Ausnahme) charakterisiert auch die Exkursionsbeschreibungen selbst. Diese werden jeweils von einer Karte begleitet, mittels derer die Exkursionen zum großen Teil auch nachträglich und individuell durchgeführt werden können.
Wohl im wesentlichen aus konzeptionellen Gründen weisen die Exkursionsbeschreibungen teilweise erhebliche qualitative Unterschiede auf. Auf der eher negativen Seite finden sich zwei Typen von Exkursionen: Zum einen gibt es den häufigen Typus des traditionellen Gesamtüberblicks, der meist einen Titel wie "Stadt X im Strukturwandel" trägt und von der Siedlungsgeschichte über markante Baudenkmäler und städtebauliche Problemzonen bis zu beispielhaften Projekten des staatlich geförderten Strukturwandels ein breites Spektrum stadt- oder regionalgeographischer Themen anreißt, ohne eines der angesprochenen Probleme auch nur ansatzweise in eine übergreifende Fragestellung einordnen zu können.
Zum anderen wird - wenn auch verhältnismäßig selten - ein Exkursionstyp dokumentiert, der eher als Freiluftseminar tituliert werden könnte, da er kaum auf die vor Ort beobachtbaren Objekte eingeht, sondern sie nur als Schlüsselreiz für das Aufzählen von historischen, sozial- und wirtschaftsgeographischen Daten, von detaillierten Angaben zu Einzelheiten der Bauleitplanung oder gar von Meßergebnissen bodenkundlicher Siebungsvorgänge verwendet.
Recht gelungen und auch für den Leser mit Gewinn, z. T. sogar mit Genuß nachzuvollziehen sind hingegen solche Exkursionen, die sich zum einen auf ein konkretes Thema konzentrieren (und nicht nur die Metapher "Strukturwandel" durchdeklinieren), das dann umfassend und unter verschiedenen Aspekten behandelt wird, und zum anderen auch die speziellen Möglichkeiten der Anschauung vor Ort kontingent in den Exkursionsablauf einpassen. Daß dies keine Frage des gewählten Themas ist, zeigt das breite Spektrum von Exkursionen dieses Typs, das von den Tendenzen der Stadtentwicklung in Oberhausen (hier vor allem zur "Neuen Mitte Oberhausen"; G. Wood) über die Verkehrsproblematik in Dortmund (Chr. Marquardt) bis zu den Umweltproblemen im Ruhrgebiet (J. Herget, S. Harnischmacher, H. Zepp) reicht, um hier nur einige Beispiele anzuführen.
Insgesamt eignet sich dieser Band sowohl für Leser, die einen ersten Einblick in verschiedene Aspekte der aktuellen Entwicklungen im Ruhrgebiet gewinnen wollen, als auch - mit gewissen Einschränkungen - für solche Leser, die auf der Grundlage der beschriebenen Exkursionen vor Ort eigene Eindrücke zu bestimmten Themen sammeln möchten. Sowohl für die gelungenen wie auch die weniger gelungenen Exkursionsbeschreibungen bleibt jedoch das grundsätzliche Manko bestehen, daß sie einerseits keine wissenschaftlichen Abhandlungen sind, andererseits aber auch nicht den Vorteil von tatsächlichen Exkursionen aufweisen: den Exkursionsleiter nach eigenem Erkenntnisinteresse intensiv befragen zu können. Dieses (zweite) Manko läßt sich selbstverständlich nur durch eine tatsächliche Exkursion beheben. Das Buch zeigt nun auch, wer offensichtlich zu welchem Thema Exkursionen durchzuführen in der Lage und bereit ist - eine zusätzliche, gerade für in der Hochschulausbildung Tätige sehr wichtige Information, die als zusätzlicher Nutzen des vorliegenden Bandes anzusehen ist.
Autor: Wolfgang Aschauer

Quelle: geographische revue, 3. Jahrgang, 2001, Heft 1, S. 60-61

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