Bernhard Dahm, Roderich Ptak (Hg.): Südostasien-Handbuch. Geschichte, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur. München 1999.

Dieser Sammelband mit insgesamt 38 Beiträgen von 30 Autoren - die Bezeichnung 'Handbuch' erscheint nicht ganz zutreffend - verfolgt einen hohen Anspruch: Laut Klappentext liefert er eine 'ausführliche Behandlung' Südostasiens, wobei die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Dimensionen dieses Großraums von elf Staaten dargestellt werden. In der Tat ist die Bandbreite der aufgegriffenen Themen beachtlich, werden doch im Zuge von sieben Teilen sowohl länderübergreifend grundlegende geo- und demographische Aspekte, ältere und jüngere Geschichte bzw. Politikentwicklung, Außenbeziehungen, Religionen, Literatur/ Künste sowie zwischenstaatliche Kooperation und Wirtschaft Südostasiens erläutert als auch Überblicksdarstellungen der betreffenden Einzelstaaten präsentiert.

Allgemeine Karten, Schwarzweiß-Fotos und Abbildungen bereichern die Beiträge. Zum einen wird vor allem der Blick dafür geschärft, wie umfassend sich viele Länder untereinander beeinflusst haben und weiterhin beeinflussen. Zum anderen treten durch den interdisziplinären Ansatz Interdependenzen zwischen kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Prozessen innerhalb der staatlichen Grenzen hervor.
Allerdings ist das Lob des Buches aus dem - hier zu betonenden - Blickwinkel seines wirtschaftsgeographischen Nutzens einzuschränken. Es besteht eine deutliche 'Lastigkeit' in Richtung historisch-politischer und soziokultureller Themen (die Hauptinteressensgebiete der Herausgeber reflektierend), bei Vernachlässigung aktueller ökonomischer Prozesse außerhalb der Asienkrise. Dies ist nicht zuletzt an der Autorenauswahl erkennbar: Mit Anne Booth ist lediglich eine, allerdings sehr asienkundige Wirtschaftswissenschaftlerin dabei; bedauerlicherweise findet sich im Autorenkreis auch nur ein einziger Geograph, Michael Parnwell, ein britischer Experte für Umweltfragen. In den historischen, kooperations- (z.B. ASEAN) und länderbezogenen Kapiteln werden wirtschaftliche Aspekte eher nebenbei behandelt (etwas genauer nur für Birma/Myanmar, Brunei, Singapur und Thailand). Erst ab S. 562 ist die Ökonomie in einem eigenen Beitrag thematisiert, wobei Booth auf 52 Seiten (davon 19 mit internationalen Vergleichstabellen) 'Die Wirtschaft Südostasiens' der letzten drei Jahrzehnte mehr resümiert als eingehend erläutert. Allerdings hat die Kürze der Darstellung den Vorteil, dass die Auffälligkeiten und Profile südostasiatischer Volkswirtschaften akzentuiert hervorgehoben werden. Dennoch sind viele Aspekte der Ökonomie angesprochen, von Grunddaten der nationalen Wirtschaftsleistung über Informationen zu internationalen Disparitäten, Beschäftigung, Bildung und Qualifikation bis hin zur Verteilung. Hintergründe und Verlauf der Asienkrise finden besondere Beachtung. Doch ist auf Hinweise zu Branchenentwicklungen verzichtet worden. Anders als in den übrigen Beiträgen erleichtern hier aber direkte Literaturverweise im Text die Erschließung weiterführender Arbeiten (ansonsten nennt allein die thematische Übersicht am Buchende grundlegendes Schrifttum). Folglich liefert der Band nur grobe, wenig differenzierte Angaben zur Wirtschaftsentwicklung der südostasiatischen Staaten und vernachlässigt insbesondere das Aufstreben moderner Industrien. Doch finden Leser mit Interesse an den historisch-genetischen, sozialen und kulturellen Hintergründen der dortigen Wirtschaftsentwicklung - z.B. im Zuge eines generell gestiegenen Stellenwerts von Kultur bei der wissenschaftlichen Betrachtung wirtschaftlichen Handelns - im Südostasien- Handbuch ein reichhaltiges Informationsangebot. Viele Facetten des Großraums erschließen sich 'auf einen Griff'.
Autorin: Martina Fromhold-Eisebit

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, Jg. 47 (2003) Heft 2, S. 133-134



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