Roland Scherer und Thomas Bieger (Hg.): Clustering – das Zauberwort der Wirtschaftsförderung. Bern, Stuttgart, Wien 2003 (Beiträge zur Regionalwirtschaft 5) 119 S.

Ziel des Tagungsbandes ist es, die derzeit häufig gebrauchte Zauberformel der Wirtschaftsförderung mit konkreten Inhalten zu füllen. Dementsprechend werden neben mehr grundlegenden Beiträgen auch anwendungsbezogene Artikel geboten. Die beiden Herausgeber führen in die Thematik ein, indem sie aufzeigen, wie Standorte durch den globalen Wettbewerb beeinflusst werden und welche Rolle Cluster als Förderstrategie spielen können.

Bei den theoretischen Erklärungsansätzen und der angebotenen Cluster-Definition halten sie sich an das Portersche Diamant-Modell, wobei sie den Netzwerk-
Charakter der Kompetenzbildung besonders stark herausstellen. Der Beitrag endet mit Ansätzen für ein clusterorientiertes Standortmanagement, womit eine Brücke zum zweiten Beitrag geschlagen ist, der sich mit den Motiven, Voraussetzungen und Erfolgsbedingungen von Netzwerken befasst. Ausgehend von einigen Beispielen macht der Autor deutlich, dass entgegen der reinen ökonomischen Lehre gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen für die Entstehung und Förderung von Clustern nötig sind. Darauf aufbauend formuliert er ein „Fitnessprogramm für Regionen".
Sind die beiden ersten Artikel mehr allgemeiner Natur, geht es im dritten um eine rein ökonometrisch angelegte Suche nach Branchenclustern in der Schweiz. Hier stehen nicht mehr Netzwerke im Mittelpunkt, sondern auf einer gesamtwirtschaftlichen Basis nur noch vor- und nachgelagerte Lieferbeziehungen sowie ökonomische Fakten und sogenannte Innovationsprofile. Als Ergebnis sind erfolgsträchtige Wirtschaftszweige für die Schweiz ausgewiesen.
Die zweite Hälfte des Bändchens ist fünf Fallstudien gewidmet, die knapp auf jeweils 8–14 Seiten vorgestellt werden. Das erste Beispiel betrifft die Region Zürich, bei der sich nach dem Konzept der Europäischen Metropolregionen Cluster-Potenziale auf der Basis von Innovations- und Produktionssystemen identifizieren lassen. Für das Standortmanagement werden Handlungsempfehlungen gegeben, die auf normativen (Vision), strategischen (Strategieentwicklung) und operativen Ebenen (Systementwicklung) liegen. Der folgende Beitrag behandelt wieder die ganze Schweiz. Aus gesamtstaatlicher Sicht werden sechs „Branchencluster" definiert, die genau betrachtet wachstumsstarke Technologiefelder sind, deren Förderung und Weiterentwicklung Cluster zur Folge haben können. Die übrigen drei Kapitel haben einzelne Branchen- oder Standortcluster zum Inhalt. Sie geben Insider-Sichten von Funktionsträgern wieder, sie beschreiben Strukturen und benennen die notwendigen Voraussetzungen und Maßnahmen für die erfolgreiche Etablierung einer clusterorientierten Förderstrategie.
Der Sammelband besteht aus zwei inhaltlich verschiedenen Teilen. Während der erste Teil mit den beiden ersten Aufsätzen eine knappe, wenn auch eingeengte regionalökonomische Hinführung auf das Thema bietet, liegen den Beiträgen im zweiten Teil stellenweise weit davon abweichende, mitunter kaum noch erkennbare Basiskonzepte von Clustern zu Grunde. Die inhaltliche Stringenz des Bandes leidet darunter. Die Vielfalt der Beispiele, die bis auf eine Ausnahme aus der Schweiz stammen, gibt aber einen Eindruck von der Variationsbreite der in der Förderpraxis verfolgten Handlungsmuster. Erfolgskontrollen über die Wirkungen des neuen Zauberwortes „Clusterförderung" stehen noch aus.    
Autor: Reinhold Grotz

Quelle: Erdkunde, 57. Jahrgang, 2003, Heft 3, S. 260

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