Friderun Fuchs und Renate Müller: Goethes Landschaften heute. "Italienische Reise" vom Brenner bis Venedig. Frankfurt a. M. 2002 (Marburger Geographische Schriften 139). 413 S.

Zur Feier des 250. Geburtstages J. W. von Goethes haben die beiden Autorinnen einen herausragenden Reise- und Exkursionsführer verfasst, dessen Leitlinie und eingrenzende Klammer die Eingangsetappe der ersten Italienreise des Universalgenies ist. Diese Reise unternahm Goethe mit 37 Jahren, um das Kernstück seiner eigenen Bildung und künstlerischen Zuneigung und die Präsenz der Antike in der Ewigen Stadt Rom, endlich auch anschaulich durch eigenes Erleben zu festigen. Vom Brenner bis Venedig folgen wir den Spuren des sammelnden, beobachtenden, beschreibenden, gestaltenden und reflektierenden Meisters.
In den ersten Kapiteln befassen sich die Autorinnen sehr ausführlich mit der Gestalt Goethes in seiner Zeit und würdigen dessen Beiträge zur Geographie; je weiter jedoch das Buch fortschreitet, um so mehr verliert sich diese Intensität, und Goethes Fußspuren sind nur noch mehr oder weniger Anstoß und Aufhänger für geographische Untersuchungen seiner Landschaften.
Es gelingt den Autorinnen, bei der Darstellung meist eng begrenzter Landschaftsbilder eine systematische Grundlegung, die die jeweils wichtigsten Strukturen der natur- und kulturgeographischen Ausstattung akzentuiert aufdeckt und die vielfältigen Wandlungsprozesse von der Zeit Goethes bis heute nachzeichnet. Zahlreiche Zusammenhänge und Probleme in einzelnen Regionen werden benannt und analysiert, Lösungsmöglichkeiten hin und wieder angedeutet. Es ist frappierend und begeisternd, wie viele unterschiedliche inhaltliche Aspekte und Akzente, wie viele unterschiedliche Methoden die beiden Autorinnen heranziehen und mit welcher Fülle von Details sie den Leser zu fesseln wissen.
Beinahe beiläufig werden auf diese Weise auch Reichtum, Vielfalt und Vielseitigkeit der inhaltlichen und methodischen Palette der heutigen Geographie ganz allgemein dem Leser eindrucksvoll vor Augen geführt.
Für den eher geruhsam durch Oberitalien Reisenden, für den Freund Südtirols, des Trentinos und der Padania, für den Goethe-Liebhaber, vor allem aber für den - angehenden - Geographen ist dieses Buch eine Fundgrube, eine Anleitung und ein, dem Thema angemessen poetisch ausgedrücktes, empfehlenswertes Schatzkästlein.
So gesehen, fällt es einem leicht, über die teilweise schlechte Reproduktion einzelner Skizzen und der dem "Atlas Tyrolensis" entnommenen sechs Karten ohne Maßstabsangabe und Legende sowie nahezu aller Fotos hinweg zu sehen und die "goethische" Begeisterung für Italien zu bewahren.    
Autorin: Andrea Grugel

Quelle: Erdkunde, 59. Jahrgang, 2005, Heft 1, S. 63

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