Eckhard Störmer: Ökologieorientierte Unternehmensnetzwerke. Regionale umweltinformationsorientierte Unternehmensnetzwerke als Ansatz für eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. München 2001 (Wirtschaft & Raum 8). 410 S.

Die Beschäftigung mit umweltbezogenen Themen wird in der Wirtschaftsgeographie zwar immer wieder auf einer programmatischen Ebene gefordert, jedoch nur selten konkret eingelöst. Erst in jüngerer Zeit erfahren Umweltthemen (wieder) eine zunehmende Beachtung.

Gerade einige jüngere Wirtschaftsgeographinnen und -geographen haben in den letzten Jahren wichtige Beiträge geleistet, die sich neben der Produktion empirischer Einzelergebnisse zunehmend auch um eine theoretisch-konzeptionelle Grundlegung der ökologie-Ökonomie-Problematik im Fach bemühen. Die Dissertation von ECKHARD STÖRMER reiht sich in diese Linie von Arbeiten ein und ist zugleich eine der besonders bedeutenden Untersuchungen auf diesem Forschungsgebiet. So geht es in der Arbeit zwar im Kern um die empirische Analyse von regionalen ökologieorientierten Informationsnetzwerken von Unternehmen im Großraum München. Allerdings steht die empirische Analyse dieser Netzwerke nur im letzten Drittel des Buches wirklich im Vordergrund. Zunächst widmet sich der Autor auf über 120 Seiten ausführlich verschiedenen theoretisch-konzeptionellen Ansätzen zum nachhaltigen Wirtschaften. Dies macht das Buch auch für jene Leser lesenswert, die einen Überblick über aktuelle Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens und deren Anwendbarkeit in der Wirtschaftsgeographie suchen. Weiterführend und für die Geographie neu ist die Interpretation und Analyse des Unternehmens als strukturpolitischer Akteur in Anlehnung an die Arbeiten von ANTHONY GIDDENS, THOMAS DYLLICK und vor allem UWE SCHNEIDEWIND. Dass hiermit vor allem nicht-geographische oder zumindest nicht primär geographische Ansätze diskutiert werden, ist dem Autor kaum vorzuwerfen, sondern spiegelt die (bedauerliche) Abstinenz der Wirtschaftsgeographie in diesem wichtigen Diskurs wider. Deutlich anders ist dies freilich auf dem Gebiet der Netzwerkforschung, mit dessen Grundkonzepten sich der Autor ebenfalls ausführlich und aus ganz unterschiedlichen theoretischen Perspektiven beschäftigt.
Insgesamt schlägt der Autor einen sehr weiten theoretischen Bogen, um sein "Arbeitsmodell" zur Analyse regionaler umweltinformationsorientierter Unternehmensnetzwerke (RUN) zu entwickeln. Demgegenüber rückt die eigentliche empirische Analyse dieser Netzwerke und ihrer Potenziale zur Förderung einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsweise bisweilen fast in den Hintergrund. Störend sind einige Nachlässigkeiten bei der Endbearbeitung des Manuskripts. So stimmen beispielsweise die Seitenangaben des Inhaltsverzeichnisses nicht mit den tatsächlichen Seitenzahlen im Text überein. Alles in allem ist ECKHARD STÖRMER aber ein sehr lesenswerter Beitrag zur Ökonomie-Ökologie-Debatte in der  Wirtschaftsgeographie gelungen, dessen Lektüre allen an Umweltthemen interessierten Fachkolleginnen und -kollegen nachdrücklich empfohlen werden kann.     
Autor: Boris Braun

Quelle: Erdkunde, 59. Jahrgang, 2005, Heft 2, S. 171-172




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