Reinhard Stewig: Bursa, Nordwestanatolien: 30 Jahre danach. Kiel 2003 (Kieler Geographische Schriften 107). 148 S.

Reinhard Stewig: Proposal for including Bursa, the Cradle City of the Ottoman Empire, in the UNESCO World Heritage Inventory. Kiel 2004 (Kieler Geographische Schriften 108). 75 S.

Kaum eine andere Stadt des Orients ist bezüglich der Entwicklungen im 20. Jahrhundert so intensiv und gut untersucht worden wie Bursa. Dies ist das besondere Verdienst von R. STEWIG, der nun zwei neue Bände über Bursa vorlegt.

Im ersten der beiden Bände, der im Grunde eine auf Beobachtung und Beschreibung basierende Stadtmonographie darstellt, geht es dem Verfasser um die Entwicklungslinien von Einwohnerzahl, administrativer Gliederung, Zuwanderung, sektoraler Differenzierung, Wohnen, Verkehr und Raumordnung bzw. Raumplanung. Er analysiert dabei die erreichbaren öffentlichen Statistiken (die Ergebnisse der Volkszählung 2000 wurden leider nicht abgewartet), Gespräche mit Experten aus Verwaltung und Wirtschaft, die wenigen vorhandenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Raumordnungsberichte und -pläne sowie die Ergebnisse eigener Begehungen der Stadt. Der weitgehend deskriptiv gehaltene Band bringt eine besondere Vertiefung im Abschnitt zur Raumordnung und Raumplanung in der Region Bursa, während die anderen Bereiche, insbesondere das innere Funktionieren und die äußeren Einflüsse auf Einzelhandel und informellen Sektor nur knapp behandelt werden, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die Studie nur einen Verfasser hat. Der Reichtum an Details ist dennoch bemerkenswert.
Die intensiven langjährigen Studien in und über Bursa machen R. STEWIG zum ausgezeichneten Kenner dieser Stadt. Als solcher erscheint er auch als besonders geeignet, den Vorschlag zu unterbreiten, die Innenstadt von Bursa in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufzunehmen. Im zweiten der zu besprechenden Bände wird ein solcher Vorschlag präsentiert. Die Singularität und Authentizität, die für eine Aufnahme eines Objektes in die Liste des Weltkulturerbes erforderlich sind, werden ausgiebig begründet und in 21 Abbildungen, 16 farbigen Photos und 3 Plänen eindrucksvoll dokumentiert. Bursa bildete die Nekropole der frühen Herrscher des Osmanischen Reiches vom Beginn des 14. Jahr-hunderts bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts: Osman, Orhan, Murat I, Beyezit I, Mehmet I und Murat II. Als Geburtsort osmanischer Architektur geizt Bursa nicht mit historisch sehr wertvollen Monumenten, wie Moscheen, religiösen Schulen, Suppenküchen für Arme, Klöstern, Grabmälern, Mausoleen, Bädern, Quellen u.Ä. Vieles davon ist in den letzten Jahren auch in guter Manier restauriert worden. Der sehr lesenswerte Band ist ein bemerkenswertes Plädoyer für die Aufnahme der Innenstadt von Bursa in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Es bleibt zu hoffen, dass die Aufnahme gelingt.    
Autor: Helmuth Toepfer

Quelle: Erdkunde, 59. Jahrgang, 2005, Heft 2, S. 172

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