Aleid E. Brouwer: Old firms in the Netherlands. The long-term spatial impact of firms' identities and embeddedness. Utrecht, Groningen 2005 (Nederlandse Geografische Studies 329). 268 S.

Die Aufmerksamkeit wirtschaftsgeographischer unternehmensbezogener Forschung ist seit vielen Jahren überwiegend auf junge, neu aufstrebende Firmen gerichtet. Der Fokus dieses Buches (Dissertation) mutet da geradezu ‚erfrischend anders' an: Eingebunden in die 'firm demography' Forschungstradition niederländischer GeographInnen werden hier Unternehmen betrachtet, die vor 1851 gegründet wurden und noch heute (bezogen auf Produktlinie und Name) bestehen. Mit Datenstand 2000/01 konnten 362 dieser niederländischen Firmen identifiziert werden (bei Ausschluss einiger Branchengruppen), die hinsichtlich ihrer Standort- und Strukturmerkmale sowie Entstehungs- und Entwicklungsfaktoren analysiert werden.

Wie ist ein so langes unternehmerisches Überleben trotz radikal geänderter Rahmenbedingungen möglich? Die geographische Perspektive be-
tonend, werden insbesondere Einflüssen des Standorts bzw. der imagewirksamen Standorteinbettung auf die Unternehmensgeschicke betrachtet.
Nach Erläuterung von Definitions- und statistischen Erfassungsproblemen ‚alter' Firmen wird ein erster Strukturüberblick zur Gesamtpopulation geboten, der auf Regions- und Branchenschwerpunkte hinweist. Dann skizziert die Autorin den generellen Wandel wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, regionaler und (inner)sektoraler Strukturen in den Niederlanden über die letzten beiden Jahrhunderte. Aus der Diskussion organisationstheoretischer bzw. -ökologischer Ansätze leitet sie neun Hypothesen zur Persistenz-Fähigkeit von Unternehmen ab, die Zusammenhänge zwischen Alter, Größe, Pfadabhängigkeit, lock-in Standortbeharrung, Einbettung und standortbezogener Identität betreffen. Vor diesem Hintergrund werden grundlegende Struktur- und räumliche Verhaltensmerkmale alter Firmen differenziert aufgezeigt, gemäß Angaben aus Telefoninterviews mit 71% der Gesamtpopulation (d.h. 257 Unternehmen), einer vertieften schriftlichen Befragung in 37 Fällen sowie der Auswertung von Dokumenten zur Firmengeschichte. Der Vergleich mit Merkmalen jüngerer Firmen weist auf die überdurchschnittliche Größe, lock-in Standortbeharrung und -einbettung, Produktstabilität, Familien- und Identitätsbindung sowie das Quali-tätsbewusstsein alter Firmen hin. Die besondere Rolle von Identität und Image als Beharrungsfaktor und 'tool for survival' wird in einem eigenen Kapitelblock eingehend aufgearbeitet, auch unter Einbezug des aktuellen Marketing-Auftritts von 70 Traditionsfirmen im Internet.
Insgesamt bietet das Buch eine anregende Lektüre und ist mit statistischem sowie Zitat-Material, aggregierten Angaben sowie Fallstudien, Tabellen sowie Karten gut illustriert. Obwohl die betrachtete Firmengruppe nur 0,1% aller niederländischen Unternehmen ausmacht, ist hier das Spotlight auf raumwirksame Akteure gerichtet, von denen jüngere Firmen durchaus lernen können.    
Autorin: Martina Fromhold Eisebith

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 1, S. 77-78



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