Antje Wolf: Erfolgsfaktoren industrietouristischer Einrichtungen. Eine Untersuchung zu Erfolgsfaktoren unterschiedlicher Angebotstypen und ausgewählter Einrichtungen in Großbritannien und Deutschland. Paderborn 2005. (Paderborner Geographische Studien zu Tourismusforschung und Destinationsmanagement 18). 176 S.

Nach Großbritannien und den USA nimmt seit zwei Jahrzehnten auch in Deutschland die Bedeutung des Industrietourismus stetig zu. Immer mehr Betriebe und Regionen streben die Nutzung ihres industriekulturellen Erbes an. Gleichzeitig zeigt sich bei produzierenden Betrieben ein Trend zur Inszenierung industrietouristischer Erlebniswelten (Beispiel Autostadt Wolfsburg). Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Zweiges der Tourismuswirtschaft begann im deutschsprachigen Raum ebenso zögerlich, ist jedoch in den letzten Jahren stetig gestiegen.

In der vorliegenden Arbeit werden erstmals konkrete Erfolgsfaktoren industrietouristischer Einrichtungen (hier stellvertretend für u.a. Betriebe, Museen wie auch für ganze Regionen) dargestellt. Zunächst gibt die Autorin einen Überblick über die historischen Entwicklungen, die verschiedenen Richtungen und Überschneidungsbereiche des Industrietourismus in Großbritannien und Deutschland. Die beispielhafte Betrachtung einzelner herausragender industrietouristischer Einrichtungen in beiden Ländern dient der Ableitung möglicher spezieller Erfolgsfaktoren, die neben allgemeinen touristischen Erfolgsfaktoren ihrer empirischen Untersuchung zugrunde gelegt werden.
In Anlehnung an Steineckes Mindscapes-Modell wird auf der Basis einer schriftlichen Befragung von 72 Experten aus unterschiedlichen industrietouristischen Einrichtungen, Instituten/Universitäten, Beratungsunternehmen und Vereinen ein "Industrial Mindscapes-Modell" vorgestellt, das auf zwanzig verschiedenen Erfolgsfaktoren beruht. Die empirische Untersuchung zeigt, dass nicht einzelne Faktoren den Erfolg einer industrietouristischen Einrichtung gewährleisten, sondern erst das Zusammenspiel bestimmter Faktoren relevant für die positive Entwicklung des Angebots ist. Als herausragend wichtig erwiesen sich Personal/Besuchermanagement, Investitionen/Finanzierung und Specialized Marketing. Nur wenn diese drei Basisfaktoren vorhanden sind, kann die Einrichtung überhaupt erfolgreich agieren. Neben der Expertenbefragung wurden von der Autorin umfangreiche Besucherbefragungen an den beiden Standorten Zeche Zollverein (Essen) und CargoLifter World (Brand bei Berlin) durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse zur Nachfragestruktur bei verschiedenen Typen industrietouristischer Einrichtungen (Industrierelikt und produzierende Industrieerlebniswelt) liegen in ähnlicher Form zwar teilweise bereits als Diplom- und Magisterarbeiten vor. Durch die Veröffentlichung der vorliegenden Arbeit in der Reihe "Paderborner Geographische Studien" ist nun aber der Zugriff auf diese Ergebnisse auch für eine breitere interessierte Öffentlichkeit sichergestellt. Antje Wolf bietet mit ihrer Arbeit einen umfangreichen Überblick über industrietouristische Trends in Großbritannien und Deutschland. Die Ergebnisse zur Angebots- und Nachfrageseite industrietouristischer Einrichtungen dürften neben der Wissenschaft auch für industrietouristische Einrichtungen und Regionen aus der Praxis interessant sein.
Autorin: Heike Becker-Baumann

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie Jg. 50 (2006) Heft 2, S. 142-143

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