Michael Waibel, Tanja Thimm, Werner Kreisel (Hg.): Fragile Inselwelten. Tourismus, Umwelt und indigene Kulturen. Bad Honnef 2005. (Arbeitsgemeinschaft für Pazifische Studien: Pacific Forum, Band 9). 256 S.

Der ca. 250 Seiten umfassende Sammelband ist in der Reihe "Pazifik Forum" der "Arbeitsgemeinschaft für Pazifische Studien" (APSA) erschienen. Sein räumlicher Fokus geht allerdings darüber hinaus und thematisiert auch Beispiele aus dem Indik, dem südchinesischen Meer, der Karibik und dem Mittelmeer. In insgesamt zwölf Fallstudien werden von Autoren mit unterschiedlichem Disziplinhintergrund die Zusammenhänge zwischen dem Wirtschaftssektor Tourismus, der Umwelt und den bereisten indigenen Kulturen vielschichtig diskutiert.

Das Spektrum der Beiträge ist äußerst breit. Es reicht unter anderem von den Auswirkungen der jüngsten Tsunami-Flutkatastrophe Süd- und Südostasiens auf die aus geopolitischen Gründen isolierte, vom Tourismus bislang noch unberührte Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren. Der großen Aktualität dieses Aufsatzes ist es wohl geschuldet, das hier sowohl Literaturverzeichnis als auch Abstract fehlen. Touristische Kleinprojekte der Maohi-Bevölkerung werden auf den Inseln Französisch-Polynesiens kritisch unter die Lupe genommen. Die Relation zwischen Tourismus und Müllaufkommen wird an Hand des 650 Kilometer vom chilenischen Festland entfernten Eilandes Juan Fernández aufgezeigt; hierbei werden auch Empfehlungen für ein umweltgerechtes Abfallmanagement gegeben. Die Frage der vom Tourismus ausgehenden Beschäftigungseffekte steht im Vordergrund einer Studie über die chinesische Insel Hunan. Auf Malta wird die Rolle von traditionellen regionaltypischen Produkten und die darauf wirkenden Einflüsse der derzeit stagnierenden Zahlen von Touristenankünften im Kontext des kürzlich erfolgten EU-Beitritts untersucht. Die beiden zuletzt genannten Papers sind in Englisch verfasst.
Was die wissenschaftlichen und methodischen Zugänge, die inhaltliche Tiefenschärfe der jeweiligen Analyse sowie die Ausstattung mit illustrativem Material und thematischen Karten anbetrifft, variieren die Beiträge naturgemäß. In allen Belangen positiv hervorzuheben sind diesbezüglich die Artikel über die südthailändischen Inseln Phuket und Samui sowie über die Malediven. Am Beginn des Sammelbandes steht eine gut gelungene einführende Synopse zur Thematik Inseltourismus. Hier wird über die tourismuswissenschaftlichen Spezifika sowohl der Angebots- als auch der Nachfrageseite überblicksartig reflektiert und es werden die Besonderheiten der Destination Insel und der dort Erholung suchenden Konsumenten herausgestellt. Schön wäre es gewesen, auch am Schluss des Werkes ein qualifizierendes Fazit zu finden, das den doppelt gewirkten roten Faden des Buches - einerseits die landschaftliche und kulturelle Ausstattung von Inseln und das "Inselgefühl" als besonderes Reisemotiv, andererseits die Bewertung des Inseltourismus entsprechend dem Paradigma der nachhaltigen Entwicklung - zu Ende geknüpft hätte. Ungeachtet dessen kann das Werk allen Interessierten zur Lektüre empfohlen werden.
Autor: Hubert Job

Quelle: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie Jg. 50 (2006) Heft 2, S. 143-144

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