Elke Freitag: Bedeutung und Chancen von Freizeitverkehrsangeboten des ÖPNV - dargestellt am Beispiel der Fahrradbuslinien in Deutschland. Mannheim 2005 (Studien zur Mobilitäts- und Verkehrsforschung 13). 250 S.

Angeregt durch die Beschäftigung mit dem BMBF geförderten Forschungs- und Demonstrationsprojektes IMAGO (Innovative Marketing- und Angebotskonzepte in Gemeinden mit Ortsbusverkehren) hat sich die Autorin in der vorliegenden Untersuchung am Bespiel der deutschen Fahrradbuslinien der Fragestellung gewidmet, welche Bedeutung und Chancen ÖPNV-Freizeitverkehrsangebote haben. Insbesondere Hintergründe sowie Chancen der weiteren Entwicklung dieses Freizeitangebotes stehen dabei im Vordergrund.

Neben den angebotsseitigen ökonomischen Aspekten von Freizeitbuslinien steht auch deren Beitrag zur Förderung einer nachhaltigen Freizeitmobilität im Fokus der Untersuchung. Des Weiteren werden natürlich die von Fahrradbuslinien ausgehenden Imageeffekte für den ÖPNV im Hinblick auf Kundenbindung und Neukundengewinnung betrachtet.
Im Rahmen einer gründlichen Analyse werden bundesweit die bestehenden Fahrradbuslinienangebote aufgearbeitet und an ausgewählten Beispielen die Nachfragesituation detailliert untersucht, um mögliche Potenziale und Wirkungen abzuleiten. Abschließend wird die Qualität der Marktkommunikation als zentralem Instrument zur Nachfragegenerierung thematisiert. Ausgehend von dieser Basis können Einsatzbereiche von Fahrradbuslinien ermittelt und Hinweise für eine nachfragegerechte bzw. eine zielgruppenspezifische Kommunikation abgeleitet werden.
Die Autorin kommt letztlich zu dem Ergebnis, dass die ÖPNV-Unternehmen angesichts der zunehmenden Bedeutung des Freizeitverkehrs und hier insbesondere des Fahrradtourismus, weiterhin Freizeitverkehrsangebote anbieten wollen. Vor dem Hintergrund der neuerlichen Restriktionen im Bereich der ÖPNV-Finanzierung (Abschmelzung der
Regionalisierungsmittel) und des immer härteren Wettbewerbs zwischen den Unternehmen bleibt es aber zweifelhaft, inwieweit die ohnehin defizitären Freizeitverkehrsangebote aufrechterhalten werden können. Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass der ländliche Raum vom demographischen Wandel (weniger junge Menschen - mehr alte Menschen, die aber länger automobil bleiben) stärker getroffen wird.
Für die Verkehrsunternehmen ist es somit noch schwieriger, qualitativ hochwertige touristische (Zusatz-)Angebote allein zu finanzieren. Somit lassen sich solche markttauglichen Angebote, die ja auch zur Abrundung oder gar Substitution des Grundverkehrsangebotes dienen, in Zukunft nur noch gemeinsam mit den lokalen Tourismusorganisationen oder den Städten und Gemeinden wirtschaftlich tragen.
Autor: Thomas J. Mager

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 3, S. 298

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