Robert Dreikluft: Die Sahara. Natur und Geschichte. Darmstadt 2005. 200 S.

Mit der Herausgabe des Werkes ist der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft eine ansprechende Mischung aus einführenden Fachtexten und attraktivem Bildmaterial gelungen.

Das Buch setzt sich aus insgesamt fünf, von vier Autoren aus unterschiedlichen Fachgebieten, verfassten Hauptkapiteln und einem Glossar der wichtigsten Fachtermini zusammen. Mit einer stimmungsvollen Einführung über das Reisen in der Großen Wüste beginnt der Graphiker und Fotograph, ROBERT DREIKLUFT, die Annäherung an unterschiedliche Begegnungen mit der Vergangenheit der Sahara. Welche zeitlichen Dimensionen damit angesprochen werden, verdeutlicht anschließend das erste von insgesamt zwei Kapiteln, die der Geograph und ausgewiesene Sahara-Kenner, DETLEF BUSCHE, dem Wüstenwerk beisteuert. Zunächst werden die "nasse und die trockene Reliefgeschichte" der Sahara über Klima- und Formungswandel im Quartär anschaulich, auch für geomorphologisch nicht tiefgründig vorbelastete Leser erschlossen. Der Autor kann dabei auf jahrzehntelange Sahara-Erfahrungen und einen überaus beeindruckenden Fundus an Fotodokumentationsmaterial wichtiger Charakteristika - vor allem aus der zentralen Sahara - zurückgreifen. Ausgehend von den ersten Berührungen mit der größten Wüste der Welt über die frühere Forschungsstation Bardai im Nord-Tschad werden sowohl aktuelle Lebensspuren als auch anthropogene Paläoklimazeugen behandelt. Das daran anschließende Kapitel leitet vom feuchttropischen Klima im Tertiär zu den Pluvialen und Interpluvialen des Quartär über. Optisch widmet es sich dabei in erster Linie Abtragungs- und Verwitterungsformen von zum Teil bizarrer Schönheit. Schließlich vergisst der Autor aber auch nicht, auf die nicht unumstrittene These von der Sahara als der "größten Rutschungslandschaft der Erde" hinzuweisen. Insgesamt machen die beiden geomorphologisch und paläoklimatisch ausgerichteten Kapitel etwa die Hälfte des Gesamtwerkes aus und tragen ganz wesentlich zu dessen hoher Qualität bei. Die vor- und frühgeschichtliche Entwicklung der Sahara spricht das Kapitel über "frühe Menschen in der Sahara" von ECKART KLENKLER an. Ob es sinnvoll war, diesen Überblick mit den doch relativ jungen Garamanten zu beginnen, bleibt offen. Sicher aber hätte anstelle des ein oder anderen Felsbildes eine Zeittabelle oder eine Chronologie der belegbaren Besiedlungsphasen und ihrer Korrelationen mit physisch-geographischen Befunden zum Allgemeinverständnis sinnvoll beitragen können. Zwar werden damit nicht Rutschungen in den von DETLEF BUSCHE angesprochenen Dimensionen eingeleitet, jedoch gleitet das Werk im letzten Kapitel über die heutigen Sahara-Bewohner doch etwas ab. In plakativen und wahrscheinlich mit Rücksicht auf den limitierten Gesamtumfang zweifellos zu kurz geratenen Abschnitten über "die Erben des Mangels" ge-
lingt es dem Journalisten und Reiseschriftsteller, GERHARD GÖTTLER, nur ansatzweise, die schwierige Grenze zwischen historischer Retrospektive und einer Skizze heutiger Lebenswelten der Saharabevölkerung zu umreißen. Insgesamt legt die Wissenschaftliche Buchgesellschaft ein gelungenes Sahara-Werk vor, das gut geeignet erscheint, auch
Neueinsteiger in seinen Bann zu ziehen.
Autor: Andreas Dittmann

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 3, S. 303

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