Steffen Heinrich Welker: Zweierlei Zivilprozesse. Der Einfluss der kurpfälzischen Untergerichtsordnung von 1582 auf die Gerichtsverfassung und das Gerichtsverfahren des Stadtgerichts Alzey. Mannheim 2005 (Südwestdeutsche Schriften 34). 293 S.

Bei der vorliegenden Untersuchung handelt es sich um eine von der juristischen Fakultät der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt a.M. angenommene Dissertation. Der Verfasser widmet sich einem Thema, das bisher erst unzureichend untersucht worden ist. Die noch heute spürbare Zurückhaltung gegenüber der Erforschung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Verfahren an Stadtgerichten geht vor allem darauf zurück, dass die hierfür auszuwertenden handschriftlichen Quellen teilweise schwer lesbar und oft sprachlich schwer verständlich sind. Bis in die Frühneuzeit hinein war am Stadtgericht Alzey Recht überwiegend auf Grund mündlich überlieferter Rechtsgewohnheiten gesprochen worden.
Um herauszufinden, inwieweit die von Kurfürst Ludwig VI. im Jahre 1582 erlassene (schriftliche) kurpfälzische Untergerichtsordnung Einfluss auf das Gerichtsverfahren des Stadtgerichts Alzey genommen hat, hat der Verfasser vor allem die zwischen 1585 und 1616 angefertigten vier Gerichtsbücher des Stadtgerichts Alzey ausgewertet. Sie enthalten die umfangreichen Protokolle aller im genannten Zeitraum am Stadtgericht Alzey durchgeführten Verfahren. Bei der Auswertung dieser Quellen wendet der Verfasser ein Höchstmaß an Sorgfalt an. Formulierungen, die sprachlich unklar sind, legt er sehr vorsichtig unter Berücksichtigung des Gesamtzusammenhangs des jeweiligen Protokolls aus. Dadurch gelingt ihm der Nachweis, dass die kurpfälzische Untergerichtsordnung im Laufe der Jahre die Gerichtsverfassung und das Gerichtsverfahren der Stadt Alzey stark beeinflusst hat; z.B. tagte das Gericht häufiger als bisher, die Stellung des Oberschultheißen im Verfahren wurde gestärkt, Gerichtspersonen, die aus dem Ausgang des Verfahrens einen Gewinn hätten ziehen können, durften nicht an der Urteilsabfassung beteiligt werden, der Einfluss des Burggrafen wurde zurückgedrängt u.v.m.
Obschon es sich beim Inhalt der vorliegenden Arbeit um eine relativ "trockene" Materie handelt, ist es dem Verfasser gut gelungen, die verschiedenen Schritte der Auswertung der Quellen anschaulich und überzeugend darzulegen. Die Arbeit besitzt sicherlich auch einen hohen Wert für viele historisch-geographische Untersuchungen aus dem Bereich der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtforschung.
Autor: Rainer Graafen

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 4, S. 379-380

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