Adolph von Wrede: Adolph von Wredes Reise in Hadramaut, hg. von Uwe Pfullmann. Berlin 2006 (Edition Morgenland 3). 158 S.

UWE PFULLMANN, Historiker und Diplomarabist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die spannende, aber weitgehend in Vergessenheit geratene Geschichte der Entdeckung der Arabischen Halbinsel wieder ans Licht zu bringen. Dazu diente ihm zunächst ein "Lexikon aller Forschungsreisen durch die arabische Halbinsel", das 2001 unter dem Titel "Durch Steppe und Wüste" erschien und in dem über 200 Forscher vorgestellt werden. Ihre Reisen sind darin mit zeitgenössischem Karten- und Bildmaterial dokumentiert.
Einige der herausragenden Reisenden werden nun in der eigens von UWE PFULLMANN gegründeten Reihe "Edition Morgenland" ausführlicher gewürdigt. Der hier anzuzeigende Band 3 ist ADOLPH VON WREDE gewidmet, nachdem in den vorhergegangenen Bänden schon GEORG AUGUST WALLIN (Band 1: Reisen durch Arabien 1845-1848) und RICHARD BURTON (Band 2: Das Land Midian) erschienen waren.
ADOLPH VON WREDE war der erste Europäer, der 1843 zwar nicht in das große Wadi Hadramaut kam, aber zwei der wichtigen Nebentäler (Wadi cAmd und Wadi Docan) erreichte und von dort die Kunde von den aus luftgetrockneten Lehmziegeln erbauten Hochhäusern nach Europa brachte. Diese Berichte erschienen so abenteuerlich, dass WREDE als Scharlatan oder Schwindler tituliert wurde und selbst der einflussreiche ALEXANDER VON HUMBOLDT ihn als Aufschneider bezeichnete. Einzig CARL RITTER wusste die Bedeutung der WREDEschen Berichte zu würdigen, doch kam es zu Lebzeiten des Reisenden nie zu einer Publikation seiner Aufzeichnungen. Erst der spätere Jemen-Reisende HEINRICH VON MALTZAN gab sie 1870 heraus und 1931 prüften Hermann von Wissmann und Dan van der Meulen auf ihrer Reise durch Hadramaut vor Ort alles nach - und sie bestätigten WREDEs Angaben in vollem Umfang.
UWE PFULLMANN versteht es, mit seinem Vorwort die forschungsgeschichtliche Einordnung und das Leben ADOLPH VON WREDEs schnörkellos herauszuarbeiten. Die nachfolgenden Texte des Reisenden entsprechen der von MALTZAN edierten Ausgabe, sind aber in der Rechtschreibung der heutigen Zeit angepasst. Stil und Diktion VON WREDEs blieben jedoch erhalten und sind von PFULLMANN mit zahlreichen Anmerkungen versehen worden. Die überwiegend sehr
nüchtern-sachlichen Berichte von WREDEs lassen ein sehr eindrucksvolles Bild von Hadramaut im 19. Jahrhundert entstehen - ganz abgesehen von der Spannung, die von den Schilderungen der Schwierigkeiten damaligen Reisens ausgeht.
Insofern stellt das Buch eine gelungene Mischung aus wissenschaftlich-exakter Sachlichkeit und spannender Unterhaltung dar. Da stört es auch wenig, dass auf dem Umschlag Schibam abgebildet ist - ein Ort, den ADOLPH VON WREDE niemals gesehen hat, der aber zum "Markenzeichen" von Hadramaut geworden ist.    
Autor: Horst Kopp

Quelle: Erdkunde, 60. Jahrgang, 2006, Heft 4, S. 387-388

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