Helga S. Danner, Johannes Renes, Bert Toussant, Gerard P. van de Ven and David Frits Zeiler (eds.): Polder pioneers. The influence of Dutch engineers on water management in Europe, 1600-2000. Utrecht 2006 (Nederlandse Geografische Studies 338). 177 S.

Es geht das Sprichwort "God created the world, but the Dutch created their own land." Dieser Band belegt nun die in der Historischen Geographie durchaus bekannte Tatsache, dass die Niederländer nicht nur ihr eigenes Land nahezu komplett umbauten (einst waren gut mehr als 50% der heutigen Staatsfläche der Niederlande Moore und Heiden!), sondern auch das dabei erworbene Wissen um die Regulierung von Wasser mittels Schöpfwerken, den Bau von Kanälen, die Gewinnung von Land durch Deichbau sowie die Trockenlegung von Mooren und Seen mittels Drainagen nachweisbar seit dem 12. Jahrhundert auch in andere europäische Länder exportierten. Sie beeinflussten damit nachdrücklich als Wasserbautechniker und Siedler die Gestalt weiter Landschaften Europas und deren Nutzbarkeit für Landwirtschaft und Siedlung. Das wird für sechs Länder (England, Dänemark, Deutschland, Italien, Frankreich und Polen) von Vertretern aus eben diesen Ländern in recht unterschiedlicher Art dargestellt, obgleich JOHANNES RENES in seiner Einführung zum Verhältnis von Wassermanagement und Kulturlandschaftsentwicklung in den Niederlanden einige sehr konzise Leitfragen formuliert, nämlich zu den Trägern der wasserbaulichen Innovationen, den Phasen deren Diffusion sowie Pfade. Am stärksten wasserbautechnisch geht SALVATORE CIRIACONO (Padua) das Thema in seinem Beitrag "Dutch Technological Transfer and Land Reclamation in Early
Modern Italy" an. In den anderen Beiträgen dominieren dagegen Aspekte der Landschaftsumgestaltung, meist durch Übersichtskarten, historische Pläne oder einige Bilder dokumentiert. All das fehlt im Beitrag zu Deutschland, der von der Umwelthistorikerin MARTINA KAUP aus Bielefeld stammt. Er ist auch als einziger Beitrag nicht in englischer Sprache verfasst, sondern auf Deutsch. Frau KAUP fokussiert ihre Ausführungen auf Brandenburg. Die Rolle der Niederländer etwa an Weser und Elbe oder in Nordwestdeutschland wird nur eingangs erwähnt, obgleich dort das Wirken der Niederländer bis heute überaus deutlich zu greifen ist und dazu gerade von historischen Geographen aus Deutschland (etwa von HANS-JÜRGEN NITZ) oder den Niederlanden (von VAN DER LINDEN, sogar auf Deutsch publiziert in den Bänden 2, 1984 und 18, 2000 der Zeitschrift Siedlungsforschung) vieles erforscht wurde. Deren Beiträge werden aber nicht einmal erwähnt, und zwar wohl deshalb, weil dazu Disziplin-, Regions- und Sprachgrenzen zu überschreiten notwendig gewesen wären! Für die Verhältnisse in Brandenburg werden jedoch zahlreiche Belege aufgelistet. Damit bleibt der KAUPsche Beitrag in seiner allgemeinen Aussagekraft hinter den anderen Länderberichten zurück, die eher umfassende Forschungsstände wiederzugeben scheinen.
Der Schlussbeitrag von BERT TOUSSAINT wirkt leider eher wie eine Abfolge von Regesten der Länderbeiträge als eine Synthese der Leitfragen von JOHANNES RENES. Jedenfalls nimmt TOUSSAINT davon einigermaßen vollständig nur den Aspekt einer Phasenbildung von niederländischen Wasserbauaktivitäten außerhalb der Niederlande auf. Damit ist
aber lediglich die einfachste aller gestellten Fragen wenigstens in den Grundzügen beantwortet worden. Es bleibt also festzuhalten, dass eine umfassende Synthese zum Thema
"Niederländer als Wasserbaupioniere in Europa" noch aussteht. Der vorliegende Band ist aber ein Baustein dazu.
Autor: Winfried Schenk

Quelle: Erdkunde, 61. Jahrgang, 2007, Heft 2, S. 210


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