Thomas Michael (Leitung): Diercke Weltatlas. Braunschweig 2008. 299 S.

Zum 125-jährigen Jubiläum der Erstauflage liegt vom Westermann Verlag nun eine Neubearbeitung des „Diercke Weltatlas“ vor. Allenfalls gewohnt an die letzte neu bearbeitete Version von 1988 (die später lediglich aktualisiert wurde), muss man sich (zum Glück) nicht komplett umorientieren. Viel Bewährtes wurde nämlich beibehalten, so etwa Atlasformat und Gewicht (trotz größerem Umfang). Auch die Gesamtgliederung orientiert sich an der bisherigen Struktur. Nur die europäischen Übersichtskarten erscheinen nun, der Logik gehorchend, zu Beginn des Europa-Kartenteils, und erst dann folgen die europäischen Teilräume in größerem Maßstab.

Die wesentlichen inhaltlichen Verbesserungen liegen in der Neubearbeitung praktisch aller 450 Karten und ca. 130 Graphiken, Tabellen und Diagramme. 40 Prozent der Karten erscheinen erstmalig. Der Schwerpunkt liegt dabei in der „Welt im Wandel“, dargestellt in Form von Karten etwa zur Globalisierung (S. 248), zum Landschafts- und Klimawandel (S. 43, 102, 157, 232, 238, 242) oder zur Nachhaltigkeit (S. 67, 71, 218). Formal fällt zunächst das farblich hinterlegte Codiersystem am Seitenrand auf, welches dem Leser einen schnellen Zugriff zu den Hauptabschnitten erleichtert. Der im Vergleich zur alten Ausgabe etwas dezentere Farbdruck wirkt angenehmer und erhöht, teilweise unterstützt durch Anpassungen in der Legende, vor allem die Lesbarkeit der thematischen Karten und deren Beschriftungen. Der Einband vorne enthält den altbewährten Kartenspiegel (zur schnellen Erschließung), gefolgt vom regionalen und thematisch gegliederten Kartenverzeichnis. Der Hauptteil mit 250 der insgesamt 299 Seiten besteht vorwiegend aus Karten. Eine Seite mit Ausspracheregeln, ein Ortsregister mit ca. 22.000 Begriffen, ein Sachwortverzeichnis, ein Mitarbeiter- und Quellenverzeichnis sowie ein Überblick über die Rekorde der Erde runden das Werk ab. Im Einband hinten werden Flagge, Fläche und Einwohnerzahl sämtlicher Länder aufgeführt, ergänzt durch Seitenhinweise auf politische, wirtschaftliche und physische Karten.

Neuzeitlichen Ansprüchen folgend verbinden sich mit dem Printwerk weitere Angebote im Digitalbereich. Der Online-Schlüssel (als Code im Atlas enthalten) bietet Zugriff zum passwortpflichtigen Web: Dort lässt sich jede Atlasseite digital aufschlagen (z.B. die Karte „Alpenvorland“, Raum München, S. 46). Dazu werden Hintergrundinformationen zur Karte geliefert (ca. zwei A4-Seiten), zusätzlich, als Gratis-Download, eine Graphik zum Siedlungswachstum von München (1948, 1972, 2005). Weitere Kopierkarten (z.B. zur Topographie Bayerns) sowie zehn Fachartikel zur Region sind kostenpflichtig erhältlich. Überdies besteht ein direkter Link zur Darstellung des entsprechenden Kartenrahmens in Google Earth und Google Maps sowie in 3D. Die separat beziehbare CD-ROM „Kartographie entdecken“ bietet Erklärungen und Übungen zu den Bereichen Physische Karte, Wirtschaftskarte, Thematische und Statistische Karte auf drei Niveaustufen. Die Verwendung all dieser Angebote mag stark von den persönlichen Bedürfnissen abhängen. Die Möglichkeit, sich leicht und schnell vielfältige Daten zu Regionen weltweit zu erschließen, fasziniert aber auf jeden Fall, unabhängig von der an sich schon überzeugenden Qualität des Printmediums!

 

Autor: Armin Rempfler

 

Quelle: Die Erde, 139. Jahrgang, 2008, Heft 3, S. 280

Kommentar schreiben