Gerd Albers und Julian Wékel: Stadtplanung. Eine illustrierte Einführung. Darmstadt 2008. 191 S.

Das Buch basiert auf der 1992 in der zweiten Auflage erschienen "Stadtplanung. Eine praxisorientierte Einführung" von Gerd Albers, die vor allem "die handwerkliche Seite der Stadtplanung" (S. 7) darlegte. Das Verfasserteam betont i m Vo rwort, dass sich das Verständnis der Stadtplanung im Laufe der letzten zwei, drei Jahrzehnte gewandelt hat. Man hat eingesehen, dass man Stadt und Zukunft - also "Stadtzukunft" - nicht einfach so planen könne. Zu komplex wurde der Gegenstand Stadt - durch die Erkenntnis von der Begrenztheit der Ressourcen oder den demographischen Wandel oder auch durch die politischen und ökonomischen Umwälzungen, die sich seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" ergaben. Stadtplanung wur de inzwischen als kommunalpolitische Dauerbaustelle erkannt. Auf diese Neueinschätzung der Situation der Stadtplanung nimmt das Buch Bezug.

Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten Anlage und Gestaltung des Bandes, die sich fundamental vom ursprünglichen Werk unterscheiden. Diese Äußerlichkeiten sind es auch, die das Fazit dieser Rezension vorwegnehmen lassen: Sie machen den Band nicht nur für Auszubildende entsprechender Fachrichtungen interessant, sondern sie sprechen auch eine breitere Öffentlichkeit an - bis hin zum vielzitierten "mündigen Bürger". Die Inhalte werden grafisch anschaulich und verbal klar vermittelt - ein Lehr- und Lernbuch also, das möglichst weite Verbreitung erfahren sollte. "Stadt" ist immerhin für mehr als 50 % der Weltbevölkerung Lebensraum. Auch in Mitteleuropa, und darauf vor allem beziehen sich die Inhalte, lebt ein Großteil der Bevölkerung in Städten: Sie sind ein Thema, das alle angeht. Der Inhalt ist sehr übersichtlich in sechs Kapitel gegliedert: Kap. 1 (S. 9ff.) "Die Standortbestimmung - Stadtplanung als Beitrag zur Ordnung des Zusammenlebens"; Kap. 2 (S. 18ff.) "Die Herkunft - zur geschichtlichen Entwicklung von Städtebau und Stadtplanung"; Kap. 3 (S. 41ff.) "Die Theorie und das Handwerk - die Arbeitsweise der Stadtplanung"; Kap. 4 (S. 64ff.) "Die Regeln - Recht und Organisation der Stadtplanung"; Kap. 5 (S. 109ff.) "Die Vorgehensweise und Ergebnisse - die Praxis der Stadtplanung"; Kap. 6 (S. 171ff.) "Die Zukunft - Perspektiven der Stadtplanung". Es folgen ein Exkurs: "Tätigkeitsfelder und Ausbildungsgänge in der Stadtplanung" (S. 178ff.), ein Anhang "Schlüsseltexte des Planungsrechts" (S. 181ff.), eine Bibliographie (S. 187ff.) sowie ein Register (S. 190f.). Die Kapitelüberschriften belegen, dass die beiden Verfasser eine Herkulesaufgabe übernommen haben, die jedoch hervorragend gemeistert wurde. Man bekommt einen ausgezeichneten Überblick über die Entwicklung der Stadtplanung, es wird aber auch Verständnis für die Stadt als Individuum und das Zusammenleben der Menschen in der Stadt geweckt. Die Sachverhalte werden auf der Zeitachse angeordnet, so dass man Entwicklungen erkennen und nachvollziehen kann - auch, dass sich sowohl die Ziele als auch die Umsetzung der Stadtplanung in die Realität im Laufe der Zeit geändert haben. Dabei nehmen zu Recht die neueren Entwicklungen, auch Aktualitäten, einen breiten Raum ein - vor allem die Transformation der Städte nach der sogenannten Wende. Dass Deutschland im Mittelpunkt steht (jedoch nicht ausschließlich), ist einsichtig, denn Stadtentwicklung und Stadtplanung stehen in einem regionalhistorischen Kontext, sie sind aber auch in nationale Rechts- und damit Planungssysteme eingebunden. Daher wird vor allem die Leserschaft des deutschen Sprachraumes mit viel Gewinn das Buch lesen und sich über ihren Hauptlebensraum Klarheit verschaffen können - auch im Sinne einer Bürgerbeteiligung an Stadtpolitik und Stadtplanung. Die eingangs ausgesprochene positive Einschätzung sei wiederholt: Es handelt sich um ein hervorragend gestaltetes Lehr- und Lernbuch, das einen breiten Leserkreis ansprechen sollte, weil es auf anschauliche und zugleich höchst seriöse Art das Bewusstsein für Stadtplanung sensibilisiert und weiterentwickelt. Der Band gehört nicht nur in die Hände von Studierenden der Stadtplanung, sondern auch in die von Politikern und Administratoren sowie eigentlich in die eines jeden an Stadtplanung interessierten Bürgers.
Autor: Hartmut Leser

Quelle: Die Erde, 140. Jahrgang, 2009, Heft 1, S. 44

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