Angela Hof: Land use change and land cover assessment in grazing reserves in northwest Nigeria. A geographical analysis based on remote sensing and geographic information science. Bochum 2006 (Bochumer Geographische Arbeiten 74). 114. S.

Nordwest Nigeria ist Teil der Sahelzone Westafrikas, die ihrerseits eines der klassischen Gebiete der Desertifikationsforschung darstellt. Trotz der Fülle an Arbeiten, die sich in den vergangenen Dekaden mit unterschiedlichsten Aspekten zum Landschaftswandel und zur Landschaftsdegradation in diesem sensiblen Naturraum auseinandergesetzt haben, entdeckt ANGELA HOF sowohl methodische als auch lokale Forschungslücken, die sie mit ihrer Dissertation zu schließen beabsichtigt.
Am Beispiel zweier Weidereservate widmet sich die Autorin der Frage, inwieweit es möglich ist, anhand von multitemporalen Fernerkundungsdaten, das Ausmaß und die Ursachen für die zunehmende Expansion von Farmland innerhalb explizit zur Holzgewinnung und Viehhaltung ausgewiesener Flächen zu erfassen. Hierfür bedient sie sich eines konventionellen GIS-basierten Arbeitsansatzes, bei dem Landsat-, Corona- und SPOTSzenen aus verschiedenen Jahren und Jahreszeiten vergleichend auf Veränderungen in der Vegetationsbedeckung hin untersucht werden. Aufgrund der spezifischen naturräumlichen Bedingungen besitzen Daten aus der Sudansavanne Westafrikas aber häufig nicht die aus unseren Breiten gewohnte Konsistenz.

Ausweislich ihrer profunden Methodenkenntnis gelingt es der Autorin jedoch überzeugend nachzuweisen, dass es auch mit limitiertem Datenmaterial möglich ist, zu interpretationsfähigen Ergebnissen zu gelangen. So lassen die Daten erkennen, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen 1965 und 2002 um das 10fache ausgedehnt wurde, wobei es insbesondere zwischen 1988 und 1994 zu einem verstärkten Rückgang der Savannenvegetation kam. Erklärt wird dies vor allem mit einem Bevölkerungsanstieg und einem veränderten Verhalten der Fulani-Nomaden, die neben der Viehhaltung nun auch zunehmend landwirtschaftlichen Anbau betreiben. In einem Raum wie der westafrikanischen Savanne müssten meines Erachtens nach aber klimatische Schwankungen als mögliche Ursache für Veränderungen in der Vegetationsbedeckung viel stärker berücksichtigt werden, und dies um so mehr, da der betrachtete Zeitraum doch einige extreme Dürrejahre umfasst. Untersuchungen, die speziell auf solche Zusammenhänge fokussieren, werden aber nicht konsultiert. Hier offenbart sich beispielhaft die große Schwäche dieser Arbeit: Literaturrecherchen, die sich hauptsächlich auf online verfügbare Publikationen stützen, müssen zwangsläufig unvollständig bleiben. Dies mag ein Grund dafür sein, dass das umfangreiche Schrifttum aus den äußerst produktiven interdisziplinären Forschungsschwerpunkten, die sich während der 1990er Jahre an den Universitäten von Köln und Frankfurt intensiv mit den Problemen des semiariden Afrikas auseinandersetzten, kaum gewürdigt wird. Dabei hätte sich so manche Forschungslücke erst gar nicht aufgetan und die Schlussfolgerungen wären sicherlich um die eine oder andere Sichtweise bereichert worden. Da die Autorin überdies ihre Ergebnisse explizit nicht vor dem Hintergrund der Sahel-Problematik diskutiert wissen will, bleibt der Nutzen der Arbeit neben der Erstellung einer aktuellen Landnutzungsklassifizierung für die untersuchten Reservate im wesentlichen auf die methodischen Aspekte beschränkt.
Autor: Klaus-Martin Moldenhauer

Quelle: Erdkunde, 62. Jahrgang, 2008, Heft 4, S. 364-365

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