Axel Borsdorf: Geographisch denken und wissenschaftlich arbeiten. 2. Aufl. Berlin, Heidelberg 2007. 193 S.

Der vorliegende Band beruht auf Einführungsveranstaltungen, die der Autor seit langer Zeit regelmäßig durchführt, um Studierenden die Breite des Faches zu vermitteln, ein theoretisches Fundament zu legen und methodisches Rüstzeug auf den Weg durch das Studium mitzugeben.

Entsprechend breit sind die Themen, die angesprochen werden: Sie reichen von der allgemeinen Wissenschaftstheorie über die Inhalte des Faches bis zu praktischen Hinweisen für die alltägliche Arbeit beim Studium. Bei einem Gesamtumfang von etwa 170 Textseiten ist das ein gleichermaßen verdienstvolles, kühnes, aber auch gefährliches Unterfangen. Verdienstvoll, weil keine andere Einführung in die Geographie und das Geographiestudium und keine andere Veröffentlichung zum wissenschaftlichen oder praktischen Arbeiten so viele unterschiedliche Ebenen anspricht und miteinander verknüpft; kühn, weil die Fülle dessen was verarbeitet werden muss nicht nur reduziert, sondern auch selektiv behandelt werden muss, so dass es zu Auslassungen kommen muss; und gefährlich, weil möglicherweise die notwendige Lückenhaftigkeit Studierenden ohne Gesamtüberblick über das Fach nicht bewusst wird und sich für sie das Fach auf diese Darstellung reduziert. In der Ansprache der Leser hört man die Ansprache an die Studierenden, so dass der Ton bisweilen etwas lehrerhaft wird. Ob für den Einstieg in das Fachstudium so viele (durchweg interessante und vom Vergessen bedrohte) disziplingeschichtliche Rückgriffe benötigt werden, sei auch dahingestellt. Eine saubere Trennung zwischen Inhalt, Forschungsansatz und Methode vermisst man in Kapitel 5, insbesondere im Abschnitt zur Kulturlandschaftsgenese. Kapitel 9 macht deutlich, wie weit der Spagat zwischen allgemeiner Wissenschaftstheorie (Positivismus, Hermeneutik usw.) und handwerklichen Routinen (Karteikartengröße, Fomulierungshilfen usw.) ist. Hier demonstriert der etablierte und angesehene Universitätslehrer, welche Spannweiten das Alltagsgeschäft in der Lehre beherrscht. Das Layout ist zwar ansprechend, nicht jedoch die Abbildungen. Ihnen liegen offensichtlich Farbabbildungen zugrunde, die in den jetzt gewählten Grauabtönungen wenig attraktiv sind, zumal schwarze Schrift, oft bis zur Schmerzgrenze verkleinert, auf dunkelgrauem Hintergrund schwer lesbar ist. Trotz dieses kritischen Einwandes möchte man das Buch aber Studierenden als Einstieg gerne empfehlen.
Autor: Jörg Stadelbauer

Quelle: Erdkunde, 63. Jahrgang, 2009, Heft 1, S. 98-99

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