Johannes Müller: Landschaftselemente aus Menschenhand. Biotope und Strukturen als Ergebnis extensiver Nutzung. München et al. 2005. 272 S.

Noch heute kann man in der Kulturlandschaft Mitteleuropas viele Landschaftselemente entdecken, die durch ehemalige agrarische Nutzung entstanden sind und die heute im Rahmen des Biotopschutzes erhalten bzw. wiederhergestellt werden sollen.

Das empfehlenswerte Buch zum Kulturlandschaftswandel von gliedert sich in sieben Kapitel, wobei sich die ersten drei Teile mit dem Begriff der Extensivierung, historischen Bodennutzungssystemen und der Entwicklung von der Extensiv- zur Intensivlandwirtschaft unter Berücksichtigung sich ändernder Agrarstrukturen befassen. Danach folgt in weiteren drei Kapiteln eine übersichtliche Darstellung von häufig durch Extensivnutzung entstandenen Landschaftselementen wie Heiden, Magerrasen oder Feuchtwiesen, passiv entstandenen Elementen wie Lesesteinhaufen oder nicht genutzten Flächen wie Feldgehölzen. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit den heutigen Funktionen von Landschaftselementen in Agrarökosystemen, zum Beispiel dem Erosionsschutz, und Konzepten zur Erhaltung extensiv genutzter Landschaftselemente. Dem Autor ist es spätestens zu diesem Zeitpunkt gelungen, den Leser von der Notwendigkeit von Pflegemaßnahmen zur Erhaltung der Kulturlandschaft auf der Basis ihrer „landschaftlichen Einbindung, der agrarökologischen Einflussfaktoren wie auch ihres kulturellen Entwicklungsprozesses“ (s. S. 5) zu überzeugen. Der im Umschlagtext nachzulesenden äußerst positiven Charakterisierung des Buches als „Kombination aus wissenschaftlich fundiertem Text und über 150 anschaulichen Farbfotos, zahlreichen Karten und Graphiken“ kann man nur zustimmen. Das Buch ist nicht nur für interessierte Laien, vor allem aufgrund der hervorragenden Farbphotos aber auch des spannenden Schreibstiles, ein guter Einstieg in das Thema Kulturlandschaft, auch für Experten bietet es eine Fülle an Informationen einschließlich neuer Daten. Besonders hervorzuheben ist der gelungene Versuch, anhand von gut ausgewählten regionalen Beispielen, Gesamtzusammenhänge in der extensiv genutzten Kulturlandschaft verständlich darzustellen. Somit bietet das Buch auch eine exzellente Grundlage zum Thema Wandel in der Agrarlandschaft im Rahmen von Vorlesungen der Landschaftsökologie oder verwandter Disziplinen. Das Literaturverzeichnis zeigt erfreulicherweise den Blick über Disziplingrenzen hinweg. Aber schon vorher fällt auf, dass der Schwerpunkt nicht – wie in vielen regionalen Darstellungen zum Thema Kulturlandschaftswandel und Naturschutz – auf botanischen und/oder zoologischen Aspekten liegt, sondern auch Exkurse zum Geländeklima oder zum Relief zu finden sind. Zusammen mit den historischen und kulturellen Einflüssen zeigen unter anderem diese Exkurse die eindeutig landschaftsökologische Herangehensweise.

Autorin: Gabriele Broll

 

Quelle: Die Erde, 138. Jahrgang, 2007, Heft 1, S. 75

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