Muruchi Poma: Evo Morales. Die Biographie. Leipzig 2007. 222 S.

26. Oktober 1959: In einem abgelegenen Dorf im Südwesten Boliviens wird Juan Evo Morales Aima als Sohn eines Ackerbauers geboren. 15 Jahre später soll Evo zu einem Verwandten gesagt haben: "Eines Tages werde ich Präsident sein." (56) 2005 Wirklichkeit geworden, zeichnet Poma Morales' Lebensweg von der Schulzeit über die ersten Versuche als Kokabauer bis hin zum Gewerkschaftsgeneralsekretär und Parteiführer nach.

Poma gehört wie Morales zum Volk der Aymara, das rund ein Viertel der bolivianischen Bevölkerung ausmacht. Dies ermöglichte Poma, mit vielen Wegbegleitern und Verwandten zu sprechen. Er erzählt Anekdoten aus der Kindheit und beschreibt die Lebensweise der indigenen Bevölkerung aus eigener Erfahrung. Er identifiziert sich mit den Anliegen der Indígenas und formuliert zugespitzte Thesen über die Koka-Pflanze: "Die bolivianischen Drogenmilitärs, die an der Macht waren, hatten zum einen ihre Hände im schmutzigen Kokaingeschäft und zum anderen erschossen sie die Hersteller und Konsumenten der Koka-Blätter. Die wirklichen Drogenhändler töteten die angeblichen Drogenhändler. Für die so genannte zivilisierte Welt [...] gibt es bis heute leider keinen Unterschied zwischen Koka-Blättern und Kokain." (72) Widersprüche, etwa dass der hohe Preis, den die Bauern mit den Koka-Blättern erzielen, letztlich durch den Kokain-Handel begünstigt wird, berücksichtigt Poma nicht. Einen Großteil des Buches nehmen die oftmals mit Gewalt ausgetragenen Konflikte zwischen den verschiedenen Vorgängerregierungen und den Gewerkschaften sowie Morales' Rolle als Anführer der Kokabauern ein. Poma sieht den Widerstand gegen die Vernichtung der Kokaplantagen im Lichte einer langwährenden Tradition: "Im Kolonialzeitalter fielen die Aymara, wie auch andere indigene Völker, der gnadenlosen Sklaverei zum Opfer [...]. Aber es scheint, dass [die Aymara] am meisten von allen Völkern Widerstand gegen die Kolonialherren leisteten." (36) Deshalb versucht Poma, jeden Zweifel an der indigenen Herkunft Morales', der durch dessen spanischen Nachnamen entstehen könnte, im Keim zu ersticken.
Poma betont außerdem, dass dieser weniger Sozialist als Vertreter indigener Interessen sei. Seine sozialen Überzeugungen gingen aus seiner Erfahrung mit Armut und dem gemeinschaftlichen Dorfleben der Aymara hervor. Die drei Inka-Prinzipien "Stehle nicht, lüge nicht, faulenze nicht!" (33) seien die Grundlage für seine Arbeit. Es erfolgt keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Sozialismusvorstellungen der Bewegungspartei Movimiento al Socialismo (MAS), die Morales nahe steht. Pomas Schwerpunkt liegt einseitig auf den indigenen Politikkonzepten. So lobt er die Finanz- und Wirtschaftspolitik der neuen Regierung, gibt jedoch zu bedenken, dass ein "stimmiges Konzept" für "ein besseres Leben in den indigenen Kommunen" fehle (169). Über Evos heutiges Privatleben weiß Poma wenig zu berichten. Er stehe seit seiner Jugend in aller Frühe auf und sei fußballverrückt. Hilfreich für den Leser sind die Hintergrundinformationen über die Geschichte des Landes und die Bräuche der Aymara. Ein weiterer Pluspunkt sind die über hundert Fotos. Hinzu kommen diverse Karten, Grafiken und Tabellen. Auf dem Weg von Morales bis ins höchste Amt des Staates wird dessen kultureller Hintergrund überbetont.
Alexander Zirkel

Quelle: Das Argument, 50. Jahrgang, 2008, S. 439-440

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