Steffen Niemann: Wasserversorgung und Wasserverwendung in Namibia. Nutzungstraditionen als Grundlage eines nachhaltigen Ressourcenverbrauches im ehemaligen Owamboland. Hamburg 2000 (Hamburger Beiträge zur Afrika-Kunde 61). 251 S.

Es handelt sich um eine Dissertation, die im Graduiertenkolleg 'Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung in Afrika' an der Universität Würzburg entstand. Das Owamboland ist traditionell der dichtbesiedeltste Raum Namibias.

Trotz der im Norden Namibias relativ hohen Niederschläge kann das Owamboland allenfalls als semihumid bezeichnet werden, wobei starke regenzeitliche Niederschläge mit Überschwemmungen und Schichtfluten auch Trockenperioden gegenüberstehen können, in denen die Wasserversorgung für Mensch und Wirtschaft schwer wird. - Zunächst wird ein landeskundlicher Überblick, Schwergewicht Physiogeographie, gegeben - mit Fokus auf die Wasserakquisition und -nutzung. In diesem Zusammenhang spielen nicht nur die Bevölkerungszahl und ihr rapides Wachstum, sondern auch die Traditionen innerhalb des Owambolandes und über die Grenzen hinweg eine große Rolle. Die zwei folgenden Hauptkapitel beschäftigen sich mit den Rahmenbedingungen von Traditionen der Wassernutzung im Owamboland sowie deren Bedeutung als Planungsinstrument im Norden Namibias. Schon im Methodikkapitel, das wie auch in anderen Dissertationen relativ breit angelegt ist, wird der humanökologische Ansatz deutlich. Quellenauswertung, vor allem aber Befragung bilden die wesentlichen Arbeitstechniken. Die zahlreichen Fußnoten zeigen, dass auch eine inzwischen existierende umfangreiche Literatur ausgewertet wurde. Dem Autor gelingt es, den fast undurchschaubaren Komplex von Tradition, ethnischer Vielfalt, Landvergabepolitik, Problematik der Vorratswirtschaft und den damit im Zusammenhang stehenden politischen Risiken sachgerecht und überzeugend darzustellen. Es wird gezeigt, dass Entwicklungspolitik vor Ort, ob sie nun auf Nachhaltigkeit gerichtet ist oder nicht, außerordentlich schwer zu realisieren ist und die Bevölkerung wahrscheinlich noch länger auf konsolidierte Wasserversorgungs- und Wassernutzungsverhältnisse warten muss. Es werden Ideen für eine Kombination traditioneller und moderner Wassernutzungsformen aufgezeigt. Es wird zudem dokumentiert, dass mit den immer weiter vorangetriebenen technischen Lösungen (Fernwasserleitungssysteme) die Probleme vor Ort nicht unbedingt zu lösen sind, weil dies diametral dem Bewusstsein der Bevölkerung über Wasserverwendung und Wasserbeschaffung gegenüber steht. Die Arbeit ist trotz der Materialfülle in einer klaren und verständlichen Sprache geschrieben und daher außerordentlich übersichtlich. Sie macht klar, dass auch ein so anscheinend eindeutig einzugrenzendes Problem wie die Wasserversorgung und Wassernutzung in einen ökologischen, ökonomischen, psychologischen und politischen Kontext eingebettet ist, dessen Komplexität nicht einfach aufgelöst werden kann. So gesehen repräsentiert diese Dissertation und deren Aussage ein typisches Beispiel regionaler humanökologischer Situationen Afrikas südlich der Sahara. Zugleich wurde dem Rezensenten bewusst, dass viele humanökologische Probleme ohne die Methoden der empirischen Sozialforschung einfach nicht anzugehen sind. Fazit: Eine saubere Regionalstudie, die einen wichtigen Beitrag zur Landeskunde Namibias leistet.

Autor: Hartmut Leser

Quelle: Die Erde, 131. Jahrgang, 2000, Heft 2

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