Projekt Klassenanalyse & BRD: Mehr Profite - mehr Armut. Prekarisierung & Klassenwiderspruch, Bd. 4. Wuppertal 2007. 216 S.

Der jüngste Band einer seit 2004 von der Marx-Engels-Stiftung Wuppertal hgg. Reihe zum Klassencharakter unserer Gegenwartsgesellschaften beinhaltet nach einer einleitenden Studie von Ekkehard Lieberam über die "Unterschichtsdebatte" (7-70) mehrere Beiträge einer 2007 durchgeführten Konferenz mit dem Titel "Prekarisierung - Absturz ohne Widerspruch?".

Das Themenspektrum erstreckt sich vom Zusammenhang zwischen Neoliberalismus, Prekarisierung und Herrschaft (Werner Seppmann) sowie sozialer Prekarisierung "zwischen verschämter und unverschämter Klassengesellschaft" (Michael Klundt) über verschiedene Formen von Lohnarbeit (Wolfgang Richter) sowie Frauenerwerbsarbeit unter Prekarisierungsdruck (Markus Bernd) bis zur antikapitalistischen Demagogie der NPD (Thomas Lühr) und den Lockangeboten der Bundeswehr für arbeitslose Jugendliche (Heiko Humburg).
Der Band reiht sich ein in die der seit Mitte der 90er Jahre wieder verstärkt aufgenommenen und sprunghaft gestiegenen Zahl von empirischen und theoretischen, analytischen und dokumentarischen, wissenschaftlichen und publizistischen Veröffentlichungen zu den veränderten und sich weiter wandelnden Klassen-, Sozial- und Beschäftigungsverhältnissen im gegenwärtigen Kapitalismus. Bourdieus "Prekariat ist überall" (1998) zieht sich wie ein Leitfaden durch das Buch und die Verhältnisse "ohne Widerstand" bleiben ebenso durchgehend eine gesellschaftliche wie wissenschaftliche Leerstelle (vgl. aber die Debatte zwischen Wacquant und Candeias in Argument 271). Um dies verändern zu helfen, wird dem Buch wohl die Marx-Aussage aus seiner Einleitung Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie vorangestellt: "Man muss den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewusstsein des Druckes hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert" (7).
Helmut Steiner

Quelle: Das Argument, 50. Jahrgang, 2008, S. 580-581

Kommentar schreiben