Hannes Leidinger: Kapitalismus.  Köln u. Weimar 2008. 128 S.

Nach Auffassung des Verf. "definiert sich ›der Kapitalismus‹ nicht bloß als Wirtschaftssystem, sondern auch als Gesellschaftsmodell, das auf dem Streben nach Profi t sowie der Vermehrung hierfür eingesetzter Mittel durch Produktion, Kauf und Verkauf von Waren beruht" (20).

Damit folgt er eher historisch als betriebs- oder volkswirtschaftlich orientierten Autoren, darunter Fernand Braudel und Immanuel Wallerstein. Die Frage "Gab es einen antiken Kapitalismus? " beantwortet er vermittelnd. Zwar waren "Handel und Kreditwesen der Antike wegen Transportschwierigkeiten und hohem Risiko weniger bedeutend" und "Geld wurde vielfach gehortet und nicht investiert", doch seien, "trotz aller Einschränkungen, folgende Elemente kapitalistischen Wirtschaftens vorhanden" gewesen: Handel, Märkte, "Kapital, Geld- und Kreditwesen - zumindest in rudimentärer Form - sowie Vorstellungen von Marktmechanismen und vorübergehende Konjunkturaufschwünge im Gewerbe" (34). Breiten Raum weist Leidinger dem Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus zu. Die moderne Phase dieses Wirtschafts- und Gesellschaftssystems - von der Industriellen Revolution bis zur Gegenwart - wird vergleichsweise knapp und nicht recht systematisch abgehandelt. Auch hier verfährt der Autor letztlich überwiegend chronologisch: Es werden "Theoretiker des freien Marktes" (Adam Smith, Say) präsentiert, darauf folgt auf vier Seiten ein Überblick über "Revolutionen" von 1688 bis zur "Dritten Industriellen Revolution", die Wirtschaftsgeschichte vom Ende des 19. Jh. bis zur Gegenwart wird wiederum in einem Durchgang von nunmehr drei Seiten dargestellt (unter dem Titel "Geld und Macht"). Ebenso kursorisch sind die "Schattenseiten" des Kapitalismus erwähnt, worauf - in dieser Abfolge nicht zwingend - die Wirtschaftszyklen in den Text eingeführt werden. Das Personenlexikon mit Kurzdarstellung der Auffassungen der Dargestellten reicht recht beliebig von Aristoteles bis zu den Trägern des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften. Auch sind die Auswahlkriterien des Begriffslexikons nicht erkennbar.
Georg Fülberth

Quelle: Das Argument, 50. Jahrgang, 2008, S. 925

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