David M. Levinson, Kevin J. Krizek: Planning for Place and Plexus: Metropolitan Land Use and Transport. New York 2008. 334 S.

Die Lehrbücher zur Verkehrsplanung, Verkehrsökonomie, Flächennutzung und zum Einzelhandel definieren sich auf Grund ihrer Ursprungsdisziplinen, und sind so nicht in der Lage, den Studenten einen Überblick über ihr eigentliches Thema: die Stadt, ihre Nutzer und Nutzung zu geben. Die beiden Autoren, jüngere amerikanische Kollegen (University of Minnesota und University of Colorado) versuchen in diesem anregenden und empfehlenswerten Buch einen solchen Überblick zu schaffen. Die Darstellung beschränkt sich im Text auf die Grundideen, die durch kleinere Exkurse vertieft oder durch Beispiele illustriert werden.

Das Zielpublikum sind Studenten, die sich mit Verkehr und Stadt(ökonomie) erstmals beschäftigen und damit natürlich auch alle anderen Interessierten, die sich dem Thema zum ersten Mal nähern wollen. Es stehen die jeweiligen Konzepte und Theorien im Mittelpunkt, was den Lesern ein gutes Rüstzeug gibt, um sich weiter zu vertiefen respektive sich mit der technischen Umsetzung der Ideen zu beschäftigen.
Die neun inhaltlichen Kapitel in drei Blöcken werden ergänzt von drei einleitenden Kapiteln und einem Ausblick. Die Themen der Blöcke sind die Nutzung der Stadt (Wohnungskauf, Arbeitsplatzsuche, Bewegung und alltägliche Zeitplanung), Austausch (Einzelhandel, Standortauswahl) und Gestaltung (Raumnutzung, Systemauswahl im Verkehr und -betrieb). Jedes Kapitel wird genutzt, um eine der zentralen Ideen zur Analyse und zum Verständnis der Stadt vorzustellen und anschaulich zu erläutern: z. B. Thünens Isolierte Stadt und Erreichbarkeit, Gravitationsmodelle versus soziale Netze als Erklärung des Arbeitsplatzes, Spieltheorie und Verkehrsmittelwahl, Hägerstrands Raum-Zeit-Geographie, Marktstruktur und optimale Standortwahl, Konsumentenrente, Netzwerke, Warteschlangen und Preise zur Steuerung der Nachfrage. Man sieht, dass das Buch ökonomische Ansätze betont, um dem Leser einen Massstab zu geben, mit dem Alternativen verglichen werden können. Diese Ansätze erlauben den Lesern aber auch, sich umfassendere Erklärungen zu schaffen, da sie mit ihnen ein robustes Fundament erhalten haben. Was fehlt, und von den Autoren bewusst weggelassen wurde, sind die technischen Hilfsmittel, um die Konzepte in numerische Modelle umzuwandeln: es wird zwar das Ergebnis einer hedonischen Regression gezeigt, aber die Mathematik der Regression wird nicht einmal angedeutet. Das Gravitationsmodell wird in einem Beispiel vorgestellt, aber seine Kalibrierung wird nicht erläutert.
Die Autoren haben ihr Ziel, einen ersten konzeptionellen Überblick über die Stadt und ihren Verkehr zu geben, voll erfüllt. Die Sprache des Buches ist leicht zugänglich, die im Wesentlichen fehlenden mathematischen Formalismen unterstützen diese Zugänglichkeit weiter. Ich bin sicher, dass in der Hochschule dieses Buch seinen Platz in vielen Einführungsvorlesungen finden wird und dort ein gern gesehener Baustein werden wird. Ich bin aber ebenfalls sicher, dass das Buch vielen engagierten Laien eine solide Grundlage für ihre (politische) Auseinandersetzung mit ihrer Stadt schaffen wird.
K. W. Axhausen

 


Quelle: disP 174, 3/2008, S. 83

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