Giselher Kaule: Umweltplanung. Stuttgart 2002. 315 S.

Der Verfasser, ein bekannter Lehrbuchschreiber auf dem Gebiet der Landschaftsplanung, des Naturschutzes und der Landschaftsökologie legt ein Lehrbuch vor, das speziell auch in der Geographie auf hohes Interesse stossen muss. - Dies unter anderem auch wegen des holistischen Ansatzes, der ja eines der Grundprinzipien der Geographie bzw. der Landschaftsökologie repräsentiert.

Dem Buch spürt man die Herkunft aus der Praxis an, weil vor allem praktisches "Handwerkzeug" angeboten wird. Gleichwohl versucht der Verfasser immer wieder, den Bogen zu Allgemeinsachverhalten zu schlagen, etwa globalen Klimawandel oder Bodenbildung oder Grundwasserneubildung. In einem Kapitel "Grundlagen" werden "Planungsebenen und Planarten der Umweltplanung" dargestellt. Die Sachverhalte dazu werden - nach Meinung des Rezensenten - manchmal etwas zu knapp angetippt, geben jedoch dem Anfänger eine relativ gute Übersicht über Ansätze und Grundbegriffe. - Mit den Nachfolgkapiteln 4 bis 8 werden diverse Landschaftshaushaltsfaktoren behandelt (Klima, Luft, Lärm, Gestein, Grundwasser, Boden etc.). Nach einer kurzen fachwissenschaftlichen Einführung folgt ein meist rascher Übergang zu praktischen Problemstellungen (Ausgleichsleistungen, Bewertung von Fliessgewässern, Lärmbeurteilung etc.). Dann werden unter dem jeweiligen Landschaftshaushaltsfaktor Praxisprobleme - relativ selektiv - aufgegriffen. - Einen sehr breiten Raum in dieser Kapitelgruppe nimmt die "Biodiversität" (Kap. 8; 136-210) ein. Es schliessen sich noch drei Kapitel an - eines zum "Einfluss von Nutzungen auf die Umwelt" (Kap. 9), ein weiteres zu "Ökosystemare Planungsansätze" (Kap. 10) und eines zu "Quantitative Methoden und DV-Werkzeuge" (Kap. 11). Auch diese drei Kapitel zeigen, dass sich der Praktiker von einer Problem-, Methoden-, und Materialfülle umgeben sieht, die schwer zu systematisieren ist. Ohne die Güte des Werkes grundsätzlich in Frage stellen zu wollen, hätte sich der Rezensent zwei Dinge gewünscht: Innerhalb der Kapitel eine striktere und zugleich - kapitelübergreifend - vergleichbare Ordnung und eine deutlichere Trennung von Methoden und fachwissenschaftlichen Grundlagen. Einerseits scheint sich aufzudrängen, dass manches Handwerkszeug bei den Fachgrundlagen platziert wird, andererseits wiederholen sich deren Prinzipien, so dass auch ein Einbringen in das Kapitel 10 bzw. 11 möglich gewesen wäre. So taucht die Dimensionsproblematik (Top, Chore etc.) mehrfach auf, ohne an einer Stelle wirklich einmal grundsätzlich erläutert zu sein. Letztlich ist der Band Ausdruck der Fach- und Ausbildungssituation auf den Sektoren des Natur-, Landschafts-, und Umweltschutzes, aus den sich die "Umweltplanung" ableitet. Das dokumentiert sich ja auch in den Positionierungen dieser Fachplanungen in ganz verschiedenen Administrationsbereichen. Diese Quasiunsicherheit in der Zuordnung drückt sich auch ein wenig in der Heterogenität der einzelnen Kapitel aus. Bei der Auswahl der Literatur hätte man sich eine grössere Ausgewogenheit erwünscht. Der Rezensent vermisst z.B. den sehr systematisch aufgebauten Band "Landschaftsplanung" (herausgegeben von W. Riedel und H. Lange, 2002, vgl. S. 22 in diesem Heft). Der Band ist für den Einstieg in diverse Bereiche der Umweltplanung sehr nützlich und dient gewiss auch in verschiedenen Fachwissenschaften als Orientierungshilfe und zugleich als erster Einblick in die praktischen Ziele und in die sehr weitgestreuten Methoden der Umweltplanung. - Der Band enthält zahlreiche Tabellen, Grafiken und Schaubilder, wobei der Rezensent vor allem die grossen zweifarbigen Übersichtstabellen (z.B. für Bewertungsabläufe, Raumanalyse, Nutzungen/Nutzungsmischungen, Hierarchieebenen in der Agrarplanung etc.) für sehr nützlich hält. Das für Nebenfachleute sicherlich wichtigste Kapitel ist das Kapitel 10 "Ökosystemare Planungsansätze".

Autor: Hartmut Leser

Quelle: Die Erde, 134. Jahrgang, 2003, Heft 1, S. 116

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