Stephan Beetz, Bernhard Müller, Klaus J. Beckmann und Reinhard F. Hüttl: Altern in Gemeinde und Region. Stuttgart (Nova Acta Leopoldina N.F. 367) 2009. 210 S.

In diesem Band werden Teilergebnisse des Projekts einer interdisziplinären Arbeitsgruppe präsentiert, die dem Thema „Chancen und Probleme einer alternden Gesellschaft – Die Welt der Arbeit und des lebenslangen Lernens“ gewidmet war und von zwei Akademien, der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften, ins Leben gerufen wurde.

Die Ergebnisse werden in acht Materialienbänden über „Altern in Deutschland“ zusammengefasst. Der vorliegende Band 5 beschäftigt sich mit raumwissenschaftlichen Aspekten und behandelt Altern in verschiedenen sozialräumlichen Kontexten und Umwelten. Eine Hauptthese ist, dass bei älteren Menschen aufgrund zurückgehender Alltagsmobilität und ansteigenden Unterstützungsbedarfes die Abhängigkeit von lokalen und regionalen Kontexten deutlich anwächst, wobei Wohnmobilität nur eine der Möglichkeiten zur Reduzierung von Defiziten darstellt. Die Autoren gehen nicht nur auf räumlich differenzierte Alterungsprozesse und deren Rahmenbedingungen ein, die vor allem in einem Kapitel zur „Geographie des Alterns“ ausgearbeitet werden, sondern befassen sich schwerpunktartig mit lokalen und regionalen Handlungsfeldern, Akteuren der Stadt- und Regionalentwicklung sowie Steuerungsmöglichkeiten in den entsprechenden Politikbereichen. Als grundlegendes Konzept wird dabei die „Alternssensibilität“ entwickelt, die als integrative Perspektive in der Stadt- und Regionalentwicklung gesehen wird, welche die vielfältigen, nach Lebensalter, Generation, Lebensstil und sozialer Lage variierenden Bedürfnisse der alternden Bevölkerungen ins Auge fasst. So sinnvoll eine solche holistische Orientierungsperspektive auch ist, so besteht doch – und das ist im Text bisweilen zu bemerken – die Gefahr, dass das Konzept zur Leerformel verkommt, wenn es nicht zureichend theoretisch ausdifferenziert wird. In aller Regel ist der Text sorgfältig und mit erheblichem  Problembewusstsein formuliert, basiert auf einer breiten Auswahl von Literatur und enthält eigens aufbereitetes empirisches Material, z.B. zahlreiche kartographische Darstellungen nach  Raumordnungsregionen. Bei der Aufbereitung der internationalen Literatur hätte man sich manchmal eine stärkere theoretisch-konzeptionelle Strukturierung gewünscht, wie sie beispielhaft im Abschnitt 5.5 über „Gesundheitslandschaften“ gelungen ist. Kleinere Fehler wie Verwechslung von Eifel und Eiffel (S. 30), von Scheiner und Schreiner (S. 35) und Ebersberg mit Ebersburg (S. 63) können die Qualität der Publikation nicht beeinträchtigen, die zu einer lohnenden Lektüre einlädt.
Franz-Josef Kemper

 

Quelle: Die Erde, 141. Jahrgang, 2010, Heft 1-2, S. 147-148

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