Wolfgang Brücher: Energiegeographie. Wechselwirkungen zwischen Ressourcen, Raum und Politik. Studienbücher der Geographie. Berlin und Stuttgart 2009. 280 S.

Seit der Energiekrise 1973/74 steht die Energiewirtschaft in Verbindung mit der sich bis heute verstärkenden doppelten Bedrohung durch Ressourcenverknappung und Klimawandel zunehmend im Mittelpunkt von Erörterungen in Gesellschaft und Politik. Die wissenschaftliche Geographie hat die Themen Energie bzw. Energiewirtschaft in der Vergangenheit aber – trotz deren zunehmenden Bedeutung – sehr vernachlässigt. Diesem Umstand ist es wohl auch zuzuschreiben, dass es in deutschen Lehrbuchreihen bisher noch keine „Energiegeographie“ gab. Dieser Aufgabe verschrieb sich nun dankenswerterweise Wolfgang Brücher.

Dem Verfasser geht es in seinem Buch vor allem darum, die Wechselwirkungen zwischen Ressourcen, Raum und Politik herauszustellen. Dabei hat er stets die Prozesskette zwischen Energieaufkommen und konsumierter Endenergie (Primärenergie – Umwandlung – Endverbrauch) im Auge. Einen Leitgedanken in diesem Buch stellt der Gegensatz zwischen den fossilen Energieträgern und den „solaren“ erneuerbaren Energien dar. Erstere sind von ihrer Verfügbarkeit weltweit ungleich verteilt, lassen sich zeitlich nur begrenzt gewinnen und gelten als umweltschädigend; die Gewinnung letztgenannter ist zwar nachhaltig, jedoch an die Fläche gebunden und dadurch ebenfalls in ihrer Verfügbarkeit begrenzt. Der behandelte Stoff wird in neun Kapitel gegliedert.
Hierbei zieht sich die Dreiecksbeziehung zwischen Raum, Energie und Macht bzw. ihre verschiedenen politischen Mechanismen wie ein roter Faden durch den gesamten Text. Die Betrachtung der energiewirtschaftlichen Entwicklung, differenziert nach „energy from space“ und „energy for space“, gibt dieser Energiegeographie eine Orientierung an den auf der Erde gelebten Energiezeitaltern. Zunächst wird die Phase der Energiewirtschaft vor der Industriellen Revolution betrachtet, die ausschließlich auf erneuerbarer Energie (v.a. menschliche und tierische Arbeitskraft) beruhte; anschließend behandelt Brücher umfassend die bis heute anhaltende industrielle Phase auf der Basis fossiler Energieträger (einschließlich einer kritischen Diskussion der Nutzung von Kernenergie). Im letzten Teil des Buches geht es um die Rückbesinnung in jüngster Zeit auf die erneuerbaren Energien. Hierbei versucht der Verfasser, alle wichtigen Formen dieser alternativen Energien in einer verständlichen Form darzustellen. Die Emissionsproblematik und das Thema Energie in Entwicklungsländern werden in eigenen kurzen Kapiteln behandelt. Das Schlusskapitel wagt einen Ausblick hinsichtlich der Einschätzung von erneuerbaren Energien in der Zukunft. Die in diesem Studienbuch vorgelegte gelungene Einführung in den Gesamtbereich der Energiewirtschaft kann nicht nur Lehrenden und Studierenden der Geographie sowie benachbarter Fachrichtungen empfohlen werden, sondern auch einer breiteren interessierten Leserschaft, die auf 280 Seiten eine übersichtliche Darstellung energiewirtschaftlicher Zusammenhänge und regionalspezifischer Ausprägungen vorfindet. Die in diesem Buch sorgsam zusammengestellten vielfältigen Informationen sind durch zahlreiche gut lesbare und maßstäblich differenzierte thematische Karten und Diagramme dokumentiert. Es bleibt zu hoffen, dass in einer überschaubaren Zeit auch eine zweite Auflage des Buches möglich wird. Denn die technologischen Entwicklungen in der Energiewirtschaft, sich verändernde Umweltauswirkungen und die daraus resultierenden energiepolitischen Handlungen werden weiterhin dynamisch bleiben und laufend weitere neue Erkenntnisse sowie  energiegeographisch  relevante Aussagen ermöglichen.
Hans-Dieter Haas

Quelle: Die Erde, 141. Jahrgang, 2010, Heft 1-2, S. 161-162

 

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