Christian Vandermotten (ed.): Le developpement durable des territoires. Bruxelles 2002. 231 S.

Der von Christian Vandermotten herausgegebene Sammelband fasst die Ergebnisse eines vom Institut de Gestion de l'Environnement et de l'Aménagement du Territoire de l'Université Libre de Bruxelles (IGEAT) im Dezember 2001 veranstalteten Symposiums zusammen. Dem interdisziplinären Charakter des Instituts angemessen, beteiligten sich belgische und französische Wissenschaftler/-innen unterschiedlicher fachlicher und institutioneller Provenienz an der Tagung. Im Mittelpunkt des Interesses standen jüngere Tendenzen in der räumlichen Planung, neben der Dezentralisierung (v.a. in Belgien und Frankreich) etwa die zunehmende Integration von Instrumenten des vorsorgenden Umweltschutzes oder von Elementen der partizipativen Planung.

Gleichzeitig wird ein Rückzug des Staates als regulativer Akteur zugunsten neuer Steuerungsmodi (Governance) konstatiert. Gleich vier Beiträge beschäftigen sich mit Nachhaltigkeitsaspekten wirtschaftlicher Entwicklung, wenngleich hier Fragen der sozio-ökonomischen Nachhaltigkeit und strukturpolitischen Sinnhaftigkeit etwa von Clusterförderung oder großen Infrastrukturprojekten im Vordergrund stehen. Dennoch zeigt etwa der Beitrag von P. Chauchefoin über regionale Innovationssysteme Schnittstellen auch zu umweltschutzrelevaten Lernprozessen zwischen Unternehmen, Behörden und anderen regionalen Akteuren auf. Der zweite Teil des Sammelbandes präsentiert zunächst sektorale Fallstudien, die jeweils die Bedeutung bestimmter Aktivitäten für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung erörtern, so etwa die Beiträge von I. Bauthier et al. (Sport- und Kulturveranstaltungen), J.-P. Grimmeau et al. (Einzelhandel) und F. Noël (Siedlungsstruktur und Mobilität). L. Swan und J. Rey diskutieren die Implikationen der Liberalisierung des städtischen ÖPNV im europäischen Binnenmarkt und stellen diese in einen breiteren Kontext europäischer Umweltpolitik. Weitere Beiträge befassen sich mit der Integration von Umweltforschung und räumlicher Nachhaltigkeitsforschung (P. Bourdeau), mit der Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Raumplanung (M.-F. Godart und M. Deconinck) sowie mit Umweltverträglichkeitsprüfungen in der Anwendung (B. Debauve et al.) und rechtlichen Aspekten des Zugangs zu Umweltinformation (P. Renaudière). Der Sammelband überzeugt nicht zuletzt durch das breite Themenspektrum und die ausgewogene Mischung theoretisch-konzeptioneller und konkret anwendungsbezogener Beiträge. Er erfüllt somit die zentrale Forderung des ersten Beitrags (E. Zaccaï) nach einer stärkeren Abstimmung wissenschaftlicher Forschung auf regionalplanerisch und kommunalpolitisch relevante Fragestellungen, da nur durch enge Kooperation mit Entscheidungsträgern und an der Implementierung von Nachhaltigkeitskonzepten beteiligten Akteuren eine Akzeptanz und breitere Beachtung der Forschungsergebnisse auch außerhalb universitärer Zirkel zu erreichen sei. Diese Reichweite ist dem Buch zu wünschen.

Autor: Christian Schulz

Quelle: Die Erde, 136. Jahrgang, 2005, Heft 1, S. 44-45

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