Grit Grigoleit: Integrationsvarianten. Die Hmong in den USA. Passau (Schriften der Forschungsstelle Grundlagen Kulturwissenschaft 3) 2009.  250 S.

Die Hmong sind eine Einwanderergruppe aus Festland-Südostasien und erst in neuerer Zeit in die USA eingewandert. Da die Hmong während des Vietnam-Krieges auf Seiten der US-amerikanischen Truppen gekämpft haben, wurden nach Kriegsende mehrere Tausend laotische Hmong als politische Flüchtlinge in den USA aufgenommen. Seitdem haben sie sich in kleinen Schritten sehr unterschiedlich an die Mehrheitsgesellschaft angepasst.

Von 2004 bis 2006 wurde eine weitere Gruppe von Hmong-Flüchtlingen aus dem thailändischen Wat Tham Krabok (WTK) in die USA umgesiedelt, die hier auf die bereits „amerikanisierten“ Hmong traf. Beide Gruppen wurden insbesondere in den beiden US-Staaten Minnesota und Wisconsin angesiedelt, wo sie bis zum heutigen Tage weitgehend in Enklaven leben. Die vorliegende Dissertation stellt Lebensformen, Traditionen und Wanderungsgeschichte der beiden Hmong-Gruppen sowie deren Anpassung und Eingliederung in die US-amerikanische Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede dar. Die Darstellung erfolgt auf einem hohen theoretischen Niveau. Es werden unterschiedliche theoretische Konzepte der Minoritäten- und Integrationsforschung sowie der Assimilation ausführlich vorgestellt. Bestehende Konzepte wie z. B. die von R. Park (1922), M. Gordon (1964), F. Barth (1969) oder S. Rushdie (1992) werden sorgfältig miteinander verglichen und auf ihre Übertragbarkeit auf die Hmong in Amerika hin überprüft. Über die Auswertung von Statistiken und Sekundärliteratur hinaus wurden teilnehmende Beobachtungen, Experteninterviews, Gruppendiskussionen und Befragungen von Hmong aus beiden Einwanderungsgruppen durchgeführt. Leider werden die Ergebnisse der Befragung der Gruppe aus WTK erst im letztenTeil der Dissertation vorgestellt. Entsprechend knapp erfolgt die Aufarbeitung der Ergebnisse der Befragung im letzten Kapitel. Auch die Weiterentwicklung bestehender Theorien, die im ersten Teil der Arbeit sehr detailliert vorgestellt worden sind, hätte ausführlicher sein können. Dennoch ist die Dissertation sehr interessant und jedem zu empfehlen, der sich mit der Minoritäten- und Integrationsforschung beschäftigt. Die Darstellung ist sprachlich sehr gut; allein die Karten sind aus der Sicht eines Geographen wenig zufriedenstellend. Außerdem ist auf den Fotos nur wenig zu erkennen.
Barbara Hahn

Quelle: Die Erde, 141. Jahrgang, 2010, Heft 1-2, S. 159


zurück zu Rezensionen

zurück zu raumnachrichten.de

Kommentar schreiben