Maike Dziomba: Städtebauliche Großprojekte der urbanen Renaissance. Die Phase der Grundstückverkäufe und ihr Einfluss auf den Projekterfolg. Berlin et al. 2009. 231 S.

Die Umsetzung städtebaulicher Großprojekte, die im Geiste einer Stadtpolitik der urbanen Renaissance den Innenstädten zu neuer Attraktivität verhelfen soll, bindet Akteure mit verschiedenen institutionellen Bezügen und Interessenlagen. So kooperiert die öffentliche Hand mit privatwirtschaftlichen Akteuren, um die komplexen Vorhaben erfolgreich realisieren zu können. Eine stadtgeographische Arbeit, die nun gezielt die immobilienwirtschaftliche Perspektive in den Rahmen der Betrachtung integriert, ist besonders zu begrüßen und bereichert die interdisziplinäre Stadtforschung.

Mit dem Blick auf die Steuerungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand geht Maike Dziomba im Rahmen ihrer Dissertation der Frage nach, wie die Umsetzung eines städtebaulichen Großprojektes aussehen kann, die es ermöglicht, Ziele der öffentlichen Hand zu realisieren und zugleich den beteiligten privaten Projektentwicklern einen Handlungsspielraum zur erfolgreichen Immobilienprojektentwicklung zu belassen. Die effiziente Zusammenarbeit der kommunalen Seite mit privatwirtschaftlichen Akteuren setzt das gegenseitige Verständnis der jeweiligen Handlungslogiken voraus. Die Autorin arbeitet die Rahmenbedingungen heraus, die das Handeln der Akteure prägen und das Gelingen der Projekte determinieren. Das erkenntnisleitende Interesse der Arbeit gilt dem „Zusammenspiel von Immobilienökonomie und Governance-Ansatz am Beispiel von Urban-Renaissance-Großprojekten“ (S. 94). In zwei vergleichenden Fallstudien (HafenCity Hamburg und Westhafen Frankfurt/M.) rekonstruiert sie anhand von Teilprojekten im empirischen Teil ihrer Arbeit konkrete Entscheidungsprozesse in der Phase der Grundstücksverkäufe. Orientiert an dem Ansatz der gegenstandsbezogenen Theoriebildung entwickelt die Autorin auf Grundlage der theoretischen und empirischen Erkenntnisse Hypothesen über die Phase der Grundstücksverkäufe, wobei sie gerade die Wirkungen verschiedener Verkaufsverfahren der öffentlichen Hand anschaulich aufzeigt. Als wesentliches Ergebnis der Arbeit ordnet Dziomba einzelnen Grundstücks- bzw. Projekttypen das optimale Verkaufsverfahren zu und stellt die entsprechenden Steuerungsinstrumente dar. Es zeigt sich, dass die öffentliche Hand als Verkäuferseite in der Phase der Grundstücksverkäufe durch den richtigen Instrumenteneinsatz das Erreichen der Ziele maßgeblich beeinflussen und das Vermarktungsrisiko für die Projektentwickler senken kann. Auf diesem Kenntnisstand formuliert Dziomba schließlich Empfehlungen für Kommunen zum adäquaten Verfahrens- und Instrumenteneinsatz. Sie setzt ihre Erkenntnisse damit in einen praktikablen Handlungsrahmen um, womit der Arbeit ein wesentlicher Gehalt für die Planungspraxis zuzusprechen ist. Die begrüßenswerte Integration der immobilienwirtschaftlichen Perspektive sei auch am Ende noch einmal betont, können doch Arbeiten dieses Anspruchs, wie im vorliegenden Fall gezeigt, wertvolle Beiträge gleichermaßen für Stadtforschung als auch für Stadtplanung leisten.
Kerstin Bläser

Quelle: Die Erde, 141. Jahrgang, 2010, Heft 1-2, S. 168

 

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