Walter Sauer (Hg.): Vom Paradies zum Krisenkontinent. Afrika, Österreich und Europa in der Neuzeit. Wien 2010. 217 S.

Der vorliegende Sammelband enthält die auf einer Tagung des Instituts für Österreichkunde gehaltenen Beiträge. Im Mittelpunkt stehen die mannigfachen Beziehungen Österreichs zu Afrika, insbesondere die Rezeption von diesem Kontinent und ihren vielfältigen Wandlungen von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart.

Natürlich können bei so einer großen Zeitspanne und bei einer so reichhaltigen Vielfalt der Beziehungsformen nur einige Ausschnitte daraus näher behandelt werden. Dennoch überrascht die Vielgestaltigkeit der einzelnen hier repräsentierten Aspekte; nicht nur wegen ihrer vielen interessanten, bislang dennoch unbekannten Details, sondern auch wegen der guten Qualität der gebotenen Überblicke und Analysen. Quasi als Leitidee in den Beiträgen wird den Fragen nachgegangen, wie Kolonialismus und Rassismus das europäische und insbesondere auch das österreichische Bild von Afrika geprägt haben, wie solche Images konstruiert wurden und werden und in welcher Weise sie mit politischem Agieren gegenüber Afrika und den Afrikanern in Beziehung standen und stehen. Das selbst formulierte Anliegen des Buches auf dem Cover lautet: „Die historisch gewachsene Beschränktheit heute gängiger Vorstellungen soll einem offenem, realistischem und solidarischem Verhältnis zu Afrika weichen." Von den zehn Beiträgen, die hier versammelt sind, seien nur einige, die unterschiedlichsten internationalen Diskurse bereichernden Studien genannt. So zeichnet A. Lamine Sarr ein Bild von Sklaverei und Sklavenhandel aus afrikanischer Sicht, B. Englert gibt Impulse für die wissenschaftliche Diskussion um die Besonderheiten des Siedlerkolonialismus in Südafrika, W. Sauer geht Afrikaklischees in der österreichischen Kunst im Zeitalter des Imperialismus nach. Einer ähnlichen Thematik hat sich S. Grabner angenommen, die sich mit der Rezeption des Fremden in der österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts auseinandersetzt. Die Präsentation von „Aschantis" in Wien um 1900 und die damit verfolgten Absichten und
politischen Folgen stehen im Mittelpunkt des Aufsatzes von W. M. Schwarz. Aktuelle Themen sind durch C. Mutombos Beitrag „Die afrikanische Identität in der österreichischen Gesellschaft" und von H. Langthaler „Österreichische Asylpolitik im EU-Kontext" vertreten.
Selbst wenn ab und an bei der Lektüre der Verdacht auftaucht, dass die Kohärenz doch nicht im vollen Maße jedem Leser sichtbar wird, enthält doch jeder Aufsatz eine Vielzahl von nützlichen und interessanten Darlegungen, die jeweils auf den einzelnen Spezialgebieten wichtige Impulse zu vermitteln vermögen.
Ulrich van der Heyden

Zitierweise:  
Ulrich van der Heyden 2012:

Walter Sauer (Hg.): Vom Paradies zum Krisenkontinent. Afrika, Österreich und Europa in der Neuzeit. Wien 2010. http://www.raumnachrichten.de/rezensionen/1566-vom-paradies-zum-krisenkontinent


 
Anschrift des Verfassers:
PD Dr. Dr. Ulrich van der Heyden
Humboldt-Universität zu Berlin
Theologische Fakultät
Seminar für Religions- und Missionswissenschaften
Unter den Linden 6
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