Michaela Paal (Hg.): Stadtzukünfte in Deutschland. Strategien zwischen Boom und Krise. Berlin (Forschungsbeiträge zur Stadt- und Regionalgeographie 4) 2010. 205 S.

Der von der Marburger Professorin Michaela Paal herausgegebene Sammelband enthält nach einer sehr kurzen, zehnseitigen Einführung der Herausgeberin acht Beiträge, die sich mit derzeitigen Entwicklungsprozessen in acht sehr unterschiedlichen deutschen Städten beschäftigen:

Hamburg, Düsseldorf, Köln, Leipzig, Wolfsburg, Flensburg, Görlitz und Duisburg. Damit soll offenbar eine gewisse Bandbreite unterschiedlicher Erfahrungen und Problemsituationen deutscher Städte präsentiert werden, die dennoch alle irgendwie mit den in der Einleitung - sehr schemenhaft und pauschal - dargestellten "generellen" Trends zu tun haben sollen: demographischer Wandel, nationale und internationale Standortkonkurrenz, der Umgang mit Wachsen und/oder Schrumpfen.

Bei den Beiträgen handelt es sich um überarbeitete Ausschnitte aus Seminar- und Abschlussarbeiten Marburger Geographie-Studierender. Die Beiträge zu Leipzig und Görlitz gehören offenbar zu den letzteren, sie erreichen ein gewisses Maß an Tiefgang und bringen eigene empirische Erkenntnisse in die Betrachtung ein, auch wenn differenzierte Fragestellungen der Arbeiten nicht klar herausgearbeitet werden. Leider sind die Beiträge im Wesentlichen veraltet: Die Arbeit zu Görlitz wurde offenbar 2008 abgeschlossen, die zu Leipzig 2006 - eine Aktualisierung und Aufarbeitung jüngerer Literatur wurde in beiden Fällen nicht vorgenommen, was insbesondere für Leipzig bedenklich erscheint.

Dass es sich bei den restlichen Beiträgen wohl um überarbeitete Ausschnitte aus studentischen Seminararbeiten handelt, merkt man ihnen leider überdeutlich an. Was kann man auch von Beiträgen zu beispielsweise Hamburger, Düsseldorfer oder Duisburger Stadtzukünften erwarten, die jeweils gerade mal etwas mehr als zehn Textseiten (ohne Abbildungen und Literaturverweise) umfassen? Bei denen keine klare analytische Fragestellung erarbeitet, sondern im Wesentlichen deskriptiv gearbeitet wird? Die stets größere Abschnitte Stadtgeschichte enthalten, welche mit den aktuellen Entwicklungsproblemen oft herzlich wenig zu tun hat? Die jeweils auf gerade mal knapp über zehn gedruckten Literaturquellen und einigen Internetquellen beruhen? Sicherlich kann man von solchen Beiträgen keine tiefgreifenden, differenzierten, kritisch-reflektierten Auslassungen erwarten, die Stadtgeographen neue Perspektiven oder selbst neuere Informationen vermitteln würden. Für studentische Seminararbeiten mag das ja noch angehen - auch wenn es mir auch dafür ein wenig an analytischen und kritischeren Betrachtungen mangelt -, aber warum sollte man das auch noch in gedruckter Form zur Veröffentlichung bringen? Um Forschungsbeiträge zur Stadt- und Regionalgeographie - so ja der Titel der Reihe - handelt es sich dabei jedenfalls nicht. Und von einer "theoretische[n] und methodische[n] Weiterentwicklung der vergleichenden Metropolenforschung" - so der selbst bezeichnete Schwerpunkt (Anspruch?) der Reihe -, kann leider überhaupt keine Rede sein. Es gibt ja noch nicht einmal ein Schlusskapitel, in dem etwa der Versuch unternommen würde, irgendwelche gemeinsamen oder vergleichenden Schlussfolgerungen aus diesen scheinbar recht willkürlich ausgesuchten Stadtbeispielen zu ziehen.

Dem Verlag mag das einerlei sein, da man offenbar nicht auf Verkaufserlöse angewiesen ist, sondern sich über Druckkostenbeiträge finanziert. Aber wenn der zunehmende Druck zum ständigen Publizieren jetzt schon dazu führt, dass wir studentische Seminararbeiten als unsere Forschungsergebnisse ausflaggen - wozu sie schlichtweg nicht taugen -, dann tun wir der Geographie und ihrer Rezeption in der Gesellschaft keinen Gefallen.
Ludger Basten

Quelle: Erdkunde, 64. Jahrgang, 2010, Heft 4

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