Ernst-Hasso Ritter: Europäische Raumentwicklungspolitik. Inhalte, Akteure, Verfahren, Organisation. Detmold 2009. 213 S.

Wer sich bisher in der Fachliteratur über europäische Raumentwicklungspolitik informieren wollte, war auf Beiträge in Fachzeitschriften oder Sammelbänden angewiesen, die jeweils Einzelaspekte dieses Politikfeldes auf europäischer Ebene behandelten. Ein umfassendes Gesamtwerk über die europäische Raumentwicklungspolitik fehlte bislang. Diese Lücke ist jetzt geschlossen.

Ernst Hasso Ritter, der ehemalige Präsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, der auch über langjährige eigene Erfahrungen als leitender Ministerialbeamter in der Praxis der räumlichen Gesamtplanung verfügt, hat ein rund 200 Seiten umfassendes Buch herausgegeben, das alle Erwartungen an ein Überblickswerk zur europäischen Raumentwicklungspolitik einlöst. Wie es der Untertitel verspricht, werden die Inhalte, die Akteure, die Verfahren und die Organisation in ausführlicher und differenzierter Form behandelt.

Stellenweise hat das fundierte Werk den Charakter eines juristischen Lehrbuchs, bei dem generell die Funktionsweise der europäischen Raumentwicklungspolitik erklärt wird. An anderen Stellen finden sich dann aber auch Hinweise, welche Rolle die zahlreichen Entscheidungsträger jeweils in der praktischen Politik spielen. Hier nimmt Ritter bewusst die Governance-Perspektive ein. Raumwissenschaftler hätten sich darüber hinaus durchaus noch weitere Aussagen über die angestrebte räumliche Entwicklung der europäischen Teilregionen gewünscht. Vielleicht sind es auch die weichen und unbestimmten Formulierungen der EU-Dokumente, die hier eine Präzisierung dieses Wunsches nur schwer möglich machen. Immerhin deutet Ritter an, dass es neben den traditionellen Feldern der Raumordnungspolitik, die auf europäischer Ebene derzeit mit den Begriffen der Kohärenz, der Kohäsion, der Konvergenz bzw. des territorialen Zusammenhalts und der territorialen Zusammenarbeit umschrieben werden, zukünftig auch um eine Anpassung an den Klimawandel und um die maritime Raumordnung gehen wird.

Das Buch macht zudem deutlich, dass es sich bei der europäischen Raumentwicklungspolitik um ein noch relativ junges Politikfeld handelt, das zudem aktuell durch die Lissaboner Verträge in Veränderung ist. So muss Ritter mit der Schwierigkeit umgehen, dass er sein Manuskript vor Abschluss dieser Verträge und damit möglicherweise einer neuen Legitimation der Raumentwicklungspolitik auf europäischer Ebene abgeschlossen hat. Man darf also gespannt darauf sein, ob die an verschiedenen Stellen geäußerten Erwartungen an eine neue Qualität der Raumentwicklungspolitik auf europäischer Ebene eingelöst werden können. Es bleibt abzuwarten, ob es zu Veränderungen zwischen der räumlichen Gesamtplanung, die sich mit den beiden Dokumenten des EUREK (Europäisches Raumentwicklungskonzept aus dem Jahr 1999) und des TAEU (Territoriale Agenda der Europäischen Union aus dem Jahr 2007) verbinden, und der machtvollen räumlichen Fachplanung in Form der Strukturfonds kommen wird. Hier ist es für das Buch Gewinn bringend, dass Dietrich Fürst zur EU-Regionalpolitik ein eigenes Kapitel übernommen hat, aus dem ersichtlich wird, dass mit der Möglichkeit der finanziellen Förderung eine größere Resonanz für raumordnungsrelevante Zielsetzungen erzielt werden kann.

Es bleibt festzuhalten, dass es sich bei dem Buch um das bisher einzige umfassende Werk zur europäischen Raumentwicklungspolitik handelt, dass in jede raumwissenschaftliche Bibliothek gehört und dass all denjenigen, die sich tiefgreifender mit der EU-Politik beschäftigen wollen, empfohlen sei.
Claus-C. Wiegandt

Quelle: Erdkunde, 64. Jahrgang, 2010, Heft 4

 

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