Rüdiger Glaser, Klaus Kremb und Axel Drescher (Hg.): Afrika. Darmstadt 2010. 222 S.

Ein denkbar bündiger Titel vermittelt dem Leser das Gefühl, eine Länderkunde, eine irgendwie geartete systematische Betrachtung des afrikanischen Kontinents in die Hand zu bekommen. Dem ist absolut nicht so. Es handelt sich vielmehr um einen Sammelband, der unter dem Oberthema "Global Change" raumbezogene naturwissenschaftliche, ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte miteinander verbindet und die Probleme Afrikas in einer vernetzten synthetischen Umwelt-Mensch-Betrachtung anhand von Fallbeispielen aufbereitet.

Verschiedene "Krankheitsbilder" oder Syndrome werden identifiziert, denen sich einzelne Autoren inhaltlich und anhand von (eher zufällig gewählten) Raumbeispielen annähern. Entsprechend mosaikartig ist das Buch aufgebaut, das aus 17 Kapiteln besteht und weitestgehend referierend wirkt, da mit Ausnahme des ersten Übersichtskapitels die weiteren Ausarbeitungen theorie-, methoden- und "Stand-der-Forschung"-frei sind und damit tatsächlich "area" resp. Länderkunde-bezogen erscheinen. Themen wie die Wasserversorgung, Desertifikation, Regenwaldproblematik, Urbanisierung, Migration und Landnutzungskonflikte zeigen die Bandbreite der Kapitel, sich mit der Wechselwirkung von Mensch-Umwelt-Mensch-Systemen auseinanderzusetzen.

Die didaktische Aufbereitung des Buches erfolgt über gutes kartographisches Material. Viele SW-Fotos sind im wahrsten Sinne des Worts "schleierhaft", aus deren Kleinheit und geringer Auflösung man nur erahnen kann, was an Inhalten dargestellt werden soll. Sonstige Exkurse bzw. "Lernkästchen" werden im Text besonders hervorgehoben. Anhand von Stichwörtern an den Seitenrändern wird dem Leser eine Vorabstruktur der einzelnen Kapitel vermittelt. Eine Gesamtliteraturliste und ein Register am Ende des Buches können dazu beitragen, inhaltliche und räumliche Vernetzungen über die einzelnen Kapitel zu bewerkstelligen. Für die Bandbreite der Themen ist die Literaturliste jedoch mehr als kompakt ausgefallen und die deutschsprachige (geographische) Afrikaforschung über die Heimatstädte der Autoren hinaus nur sehr begrenzt rezipiert worden.

Zieht man ein Fazit, fasst der Band Themen zusammen, die bisher eher eine geringe Aufmerksamkeit gefunden haben bzw. nur in sehr spezieller Literatur zu finden waren. Gleichwohl vermittelt die Zusammenstellung des Buches weiter das Klischee des Katastrophenkontinents Afrika, wobei die Diskussion von "Lösungen", innovativen und angepassten Ansätzen und Alternativen mehr als knapp gerät. Zudem ist das Buch in der Zusammenstellung seiner Herausgeber und Autoren ein Lehrbeispiel für Netzwerkbildung, die in nur einigen wenigen Fällen über Freiburg und Heidelberg hinaus greift.
Ulrich Jürgens

Quelle: Erdkunde, 65. Jahrgang, 2011, Heft 1, S. 90

 

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