Hamid Dabashi: Iran, the Green Movement, and the USA. The Fox and the Paradox. London-New York 2010. 240 S.

Verf. beginnt mit einer persischen Fabel, in der ein alternder Löwe um den Erhalt seiner Macht kämpft und von einem schlauen Fuchs ausgetrickst wird. Das politisch-philosophische Dilemma, das die Fabel thematisiert, legt er auf die USA (der Löwe) und den Iran (der Fuchs) um, die sich um die Hegemonie im Nahen und Mittleren Osten streiten.

Sein Argument lautet: egal ob die USA sich zu einem Dialog mit der Islamischen Republik entschließen oder aber einen wirtschaftlichen bzw. gar militärischen Krieg gegen den Iran beginnen, die Macht der politischen Elite Irans werde dadurch gestärkt. Im ersten Fall durch die Anerkennung des "illegitimen und betrügerischen" (102) Regimes, im zweiten Fall durch eine Zersplitterung und damit Ausweitung seiner Macht, wie es mit Hilfe von Guerillabewegungen wie der Hezbollah, Hamaz oder der Mehdi-Armee im Irak geschehen sei. Diese Situation ist das "Paradox", auf das der Untertitel hinweist.

Als Schüler Edward Saïds, der den wissenschaftlichen Diskurs über "den Orient" Ende der 1970er Jahre revolutionierte, argumentiert Verf. kämpferisch und bisweilen polemisch, die Konflikte in der Region des Nahen und Mittleren Ostens stünden mit der imperialistischen Politik der USA und mit der Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung in enger Beziehung. Der us-amerikanische Versuch, die islamische Revolution von 1979 durch eine Militarisierung der Nachbarländer Irans - des Irak unter Sadam Hussein und der Taliban in Afghanistan - einzudämmen, habe einerseits zur Radikalisierung einer ursprünglich populären Massenbewegung geführt und andererseits zwei "Monster" erschaffen, mit denen ihre Erschaffer fortan zu kämpfen hatten.

Der Krieg im Irak und in Afghanistan habe den Iran von zwei seiner wichtigsten Feinde befreit und dessen Position in der Region gestärkt. Die einzige Option in dieser Situation sei, Zeugnis für die Geschehnisse abzulegen ("bearing witness", 109) und Delegationen von "civil rights icons, film and sports personalities, Muslim leaders, human rights organizations, women's rights activists, labor union representatives" in den Iran zu senden, um oppositionelle Gruppen zu stärken (110). Erst in der zweiten Hälfte des Buches geht Verf. auf die "Grüne Bewegung" ein. Er plädiert für eine Wiederbelebung des kosmopolitischen Charakters, der den USA seit der Ära Ronald Reagans und v.a. unter George W. Bush sowie dem Iran durch die Radikalisierung der islamischen Revolution abhanden gekommen sei. Der dadurch begründete "globalisierte Provinzialismus" (25) basiere auf Fanatismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Grüne Bewegung sei hingegen Ausdruck jenes Kosmopolitanismus, der der iranischen Kultur historisch innewohne und für die der Islam zwar wichtig, aber nicht bestimmend sei (126).

Es ist dem Verf. hoch anzurechnen, dass er vermeintliche Gegensätze zwischen dem "Islam" und dem "Westen", zwischen "Tradition" und "Moderne" oder "religiösen" und "säkularen" Positionen unerschrocken und überzeugend widerlegt. Allein sein Fokus auf die Rolle der iranischen Bourgeoisie, die Intellektuellen und nicht zuletzt auch seine eigene Sprechposition - nämlich die eines Intellektuellen im Exil - ist etwas einseitig (142, 165, 172) und lässt alternative Darstellungen und Hintergründe vermissen. Verf. verfolgt die Ursprünge der Grünen Bewegung bis in die Mitte des 19. Jh., wo der Austausch iranischer Intellektueller mit Ideen der Aufklärung und des Liberalismus zur konstitutionellen Revolution im Iran 1906 bis 1911 geführt hat. Diese Revolution sei symbolisch gewesen für die "non-denominational, cross-religious, and multi-ethnic disposition of an Iranian cosmopolitan political culture that refuses reduction to a false secular-religious divide" (159).

Quelle: Das Argument, 53. Jahrgang, 2011, S. 613-614

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